
„Die Zahl der Hilfeanfragen ist seit Jahren konstant hoch – das zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist und wie sehr sie nachgefragt wird. Die öffentlichen Haushalte stehen zurzeit sehr unter Druck und es wird viel von Sparen und Konsolidierung gesprochen. Aber es wäre aus unserer Sicht verheerend, wenn in diesem Bereich eingespart würde“, betont Dirk Jacobsen, Geschäftsführer des Wendepunkt e.V. „Es ist wichtig, dass wir nach hochbelastenden Ereignissen schnell reagieren können, damit sich Auswirkungen nicht chronifizieren und sich gerade Kinder und Jugendliche gesund weiterentwickeln können.“
Im vergangenen Jahr haben den Wendepunkt 1468 Hilfeanfragen erreicht – beispielsweise nach sexueller Gewalt, häuslicher Gewalt, schweren Lebensereignissen wie dem Tod von Angehörigen oder dem Erleben von Gewalt in der Schule. Dazu gehören auch Beratungsanfragen von Fachkräften im Umgang mit hochbelasteten Kindern sowie Erziehungshilfen.
Im Rahmen eines landesweiten Angebots der psychosozialen Nachsorge nach Straftaten begleitet der Wendepunkt unter anderem Hinterbliebene von Tötungsdelikten sowie Betroffene von Entführungsfällen.
In dringenden Fällen kann der Wendepunkt nach wie vor zeitnah professionelle Hilfe anbieten – doch in einigen Bereichen, wie zum Beispiel der Trauma-Ambulanz, kommt es leider zu Wartezeiten, weil die Kapazitäten und finanziellen Ressourcen nicht für alle Anfragen ausreichen.
Ebenso wichtig wie die Versorgung Betroffener ist die Präventionsarbeit. Der Wendepunkt hat an den Schulen in der Region 223 Präventionsmaßnahmen für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Fachkräfte durchgeführt. Wichtige Themen sind dabei Gewaltprävention, ein soziales und offenes Miteinander und der Umgang mit (Cyber-) Mobbing.
In den Projekten gegen sexuelle Gewalt geht es darum, über Gefahren, Grenzen und Gefühle aufzuklären, die Kinder und Jugendlichen zu stärken und ihnen zu vermitteln, wo sie sich Hilfe holen können. „Sie müssen wissen, dass sie keine Schuld tragen, wenn ihnen etwas passiert. Auch dann nicht, wenn sie sich vielleicht auf etwas eingelassen haben, dass ihnen nun zu weit geht. Mit uns können die Kinder und Jugendlichen in einem geschützten Raum sprechen über die Themen, die sie bewegen. Themen, bei denen sie sich oft nicht trauen, mit ihren Eltern drüber zu sprechen,“ erklärt Bianca Tietz, Leiterin des Fachbereichs Prävention.
„Täter verfolgen klare Strategien – sie fangen oft ganz harmlos an, und dann werden die Grenzen schrittweise immer weiter verschoben. Da ist es wichtig, das eigene Bauchgefühl wertzuschätzen. Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, sollte man sich Hilfe holen“, ergänzt Sascha Niemann, Leiter des Fachbereichs Traumazentrum und Beratung.
Zunehmend geht es in den Projekten auch um (sexualisierte) Gewalt im digitalen Raum – durch Kontaktaufnahme von Fremden, die vorgeben, selbst Jugendliche zu sein, das Versenden von pornografischen Material oder das Weiterleiten von privaten Bildern. Digitale Gewalt findet dabei auch im sozialen Nahfeld statt.
„In den Schulen muss die präventive Arbeit ausreichend verankert und ausgebaut werden, um nachhaltig zu sein. Da ist der Kreis Pinneberg vorbildlich, aber das ist nicht überall so“, sagt Dirk Jacobsen. „Die Fallzahlen für den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sind im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein wieder weiter gestiegen. Alle Einrichtungen, die mit Kindern arbeiten, sollten Schutzkonzepte gegen sexuelle Gewalt haben. Dafür braucht es Ressourcen und Unterstützung von Fachkräften.“
Der Wendepunkt hat im vergangenen Jahr auch 222 Fortbildungen für Fachkräfte durchgeführt, um sie in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu unterstützen – unter anderem in den Bereichen Traumapädagogik, Sexualpädagogik und Schutzkonzepte.
Zur Prävention gehört außerdem die Arbeit mit Übergriffigen und Tätern, sowie die Gewaltpräventionsambulanz, die berät und interveniert bei (jungen) Menschen mit einem erhöhten Gewaltrisiko, um die Entstehung von Gewalt und Straftaten möglichst zu verhindern.
Foto: Sascha Niemann, Fachbereichsleiter Traumazentrum und Beratung, Dirk Jacobsen, Geschäftsführer, Bianca Tietz, Fachbereichsleiterin Prävention
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