UNA - Unabhängige Ansprechstelle für Menschen, die in der Nordkirche sexuelle Übergriffe erlebt oder davon erfahren haben


Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland hat uns beauftragt, für sie als unabhängige Ansprechstelle tätig zu werden. Denn junge wie ältere Menschen, die möglicherweise von sexualisierter Gewalt betroffen sind, sollen frei von der Institution Kirche, wo sie eine schlimme Erfahrung gemacht haben, so schnell wie möglich Klärung und weiterführende Hilfe bekommen. Erreichen können Sie uns über:

Tel. 0800 – 0220099 (kostenfrei)
Mail: una (at) wendepunkt-ev.de

montags 9–11 Uhr, mittwochs 15–17 Uhr

Kein Raum für Missbrauch

... das will die Nordkirche in all ihren Einrichtungen sein!
Wir verschließen jedoch nicht die Augen davor, dass es auch im kirchlichen Rahmen sexuelle Übergriffe gegeben hat und gibt. Bei aller verstärkten Präventionsarbeit muss die Nordkirche – wie andere gesellschaftliche Bereiche auch – doch damit rechnen, dass es Menschen gibt und geben wird, die zu Tätern / Täterinnen werden. Umso wichtiger ist dann konsequentes Handeln und vor allem möglichst schnelle Hilfe für davon Betroffene, damit sie selbst wieder handlungsfähig werden. Wenn dennoch ein sexueller Missbrauch gegen ein Mädchen oder einen Jungen oder aber ein sexueller Übergriffe gegen eine Frau oder einen Mann passiert ist, noch dazu in einer kirchlichen Einrichtung – was dann?

Dann sind für davon Betroffene die Gefühle so widersprüchlich und die Erfahrungen so verstörend, dass jedes Wort schwer fällt. Allzu oft bleibt auf lange Zeit hinter Angst und Scham alle schlimme Erfahrung verborgen – bis sich vielleicht doch ein Weg zum Gespräch findet.

Sexuelle Gewalt dauert oftmals lange an. Das hat verschiedene Gründe:

  • Viele weichen dem Thema aus und wollen nicht wahrhaben, dass „so etwas“ passiert.
  • Womöglich meinen sie, auf diese Weise die Kirche, ihre Gemeinde, ihre Kita, ihre Beratungsstelle „schützen“ zu können – und machen sich damit zum Helfershelfer des Täters / der Täterin.
  • Nicht selten ist der Täter / die Täterin als fachliche Autorität oder menschlich zugewandt in Erscheinung getreten – das in Frage zu stellen, fällt oftmals schwer.
  • Sehr oft besteht Angst vor den Folgen der Tat, vor allem vor den Folgen, die ihre Aufdeckung nach sich ziehen könnte.

Hinzu kommt, dass die Betroffenen meist schweigen, aus Angst aber auch aus Scham, selbst dann, wenn ihnen nicht direkt gedroht wurde. Sie fühlen sich in ihren widersprüchlichen Gefühlen gefangen, denn ihr natürliches Bedürfnis nach Zuwendung und Kontakt wurde mit sexuellen Handlungen beantwortet. Sie fühlen sich abhängig und in ihrer Existenz bedroht. Sie fürchten, dass niemand ihnen glaubt.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sexuelle Übergriffe erlebt haben, brauchen unsere Unterstützung und unsere uneingeschränkte Solidarität.

Wir hören zu und helfen weiter!

  • Es geht uns um einen unvoreingenommenen, unabhängigen ersten Kontakt.
  • Wir wollen Betroffenen und ihrem Umfeld zuhören. Mit ihnen gemeinsam wollen wir weitere Handlungsschritte erarbeiten und klären, welche praktischen oder rechtlichen Schritte zu unternehmen sind. Wir können sie über kompetente Stellen in ihrer Nähe informieren. – Mit anderen Worten: Wir wollen mit ihnen zusammen Wege aus ihrer Situation suchen.
  • Wir sind unabhängig und unterliegen der Schweigepfl icht. Ohne den ausdrücklichen Wunsch der Ratsuchenden geben wir keine Daten weiter. Von dieser Regel müssen wir dann abweichen, wenn Kinder und Jugendliche oder auch Erwachsene unmittelbar gefährdet sind; das wird im Einzelnen besprochen.
  • Auf Wunsch bleibt die Beratung anonym. Die Ansprechstelle steht mit unabhängiger Beratung allen Menschen zur Verfügung, die in irgendeiner Weise in einer kirchlichen Einrichtung der Nordkirche mit sexualisierter Gewalt in Berührung gekommen sind. Das gilt vornehmlich für die Opfer und deren Angehörige, aber auch für solche Menschen, die „etwas mitbekommen“ haben oder für bei der Kirche Beschäftigte. Für Beschuldigte mit ihrem Umfeld suchen wir geeignete und erfahrene Stellen in deren Umgebung.
  • Die Arbeit der Ansprechstelle umfasst das sensible Hinhören, Sichten und Klären sowie das Ebnen weiterer Wege und die Vermittlung weiterführender Hilfe. – Eine längere Beratung kann die Ansprechstelle selbst nicht bieten.
  • Unsere Beratungen sind kostenfrei. Das gilt auch für Ihren Anruf bei uns.

Außerdem informieren wir und veranstalten Fortbildungen, damit betroffene junge Menschen wahrgenommen werden und Handlungskompetenzen wachsen können. (Konditionen für entsprechende Veranstaltungen bitte beim Wendepunkt erfragen).

Materialien bestellen

Möchten Sie Flyer, Plakate oder Informationskärtchen für Ihre Kirchengemeinde oder kirchliche Einrichtung bestellen? Hier finden Sie ein Bestellformular zum Download:

Zum Download bitte mit rechter Maustaste auf das PDF klicken.

AnsprechpartnerInnen

Dirk Jacobsen (Leitung)
Dipl. Psychologe, Psychotherapeut mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie, Systemischer Familientherapeut, EMDR

M. Klann
Dipl. Pädagogin, Traumafachberaterin/Traumapädagogin (DeGPT), systemische Beraterin, Elternkursleitung, Fachkraft Kindeswohlgefährdung nach § 8a SGB VIII

Tel. 0800 – 0220099 (kostenfrei)
montags 9–11 Uhr, mittwochs 15–17 Uhr

Mail: una (at) wendepunkt-ev.de