Psychosoziale Prozessbegleitung

Für Menschen, die Opfer von schweren Gewalttaten oder Sexualverbrechen wurden, kann der Gerichtsprozess eine große Belastung sein, der mit vielen Fragen, Sorgen und Ängsten verbunden ist.

Unsere Psychosoziale Prozessbegleitung bietet hier Unterstützung und Hilfe – sie bereitet auf den Prozess vor und stärkt und stützt während und nach der Verhandlung. Vor allem Kinder und Jugendliche profitieren von einer solchen Begleitung. Das Angebot ist kostenlos und freiwillig.

Die psychosoziale Prozessbegleitung ist ein Angebot für besonders schutzbedürftige Betroffene – das sind vor allem Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen sowie Verletzte von sehr schweren Straftaten. Teilweise besteht ein Rechtsanspruch auf die Begleitung, in anderen Fällen muss ein entsprechender Antrag richterlich genehmigt werden. Weiter unten haben wir die unterschiedlichen Kategorien und Rechtsformen näher ausgeführt.

Nähere Informationen über das Angebot und bei welchen Straftaten eine kostenlose psychosoziale Prozessbegleitung möglich ist, erhalten Sie bei uns. Wenn Sie eine Strafanzeige erstatten, erhalten Sie nähere Informationen auch bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder Ihrem Anwalt.

Wir bieten Psychosoziale Prozessbegleitung für den Landgerichtsbezirk Itzehoe an.

Das Team

Unser Angebot

Bis zur Gerichtsverhandlung:  Wir informieren Sie über den Ablauf des Strafverfahrens, über die unterschiedlichen Aufgaben der Beteiligten und Ihre Rechte und Pflichten. Auf Wunsch besichtigen wir mit Ihnen das Gerichtsgebäude und den Gerichtssaal.

Während der Gerichtsverhandlung: Wir begleiten Sie auf Wunsch gerne auch während Ihrer Aussage oder der Aussage Ihres Kindes und überbrücken mit Ihnen mögliche Wartezeiten. Wir besprechen alle Fragen und Verunsicherungen, die auftreten können. Gerade bei Kindern kann es entlastend sein, wenn ihnen im Gerichtssaal eine neutrale Person neben ihnen sitzt.

Nach der Gerichtsverhandlung: Wir sprechen mit Ihnen über Ihre Eindrücke und Fragen zum Ausgang des Verfahrens. Bei Bedarf vermitteln wir Ihnen weitergehende Unterstützungs- und Beratungsangebote.

Die psychosoziale Prozessbegleitung ist keine rechtliche Beratung und übernimmt auch keine therapeutischen Aufgaben.

Wer kann das Angebot in Anspruch nehmen?

  • Seit dem 2017 haben Minderjährige, die Opfer einer schweren Gewalt- und/oder Sexualstraftat geworden sind, einen Rechtsanspruch auf eine kostenlose psychosoziale Prozessbegleitung. Sie müssen – am besten über ihren Anwalt oder ihre Anwältin – einen entsprechenden Antrag bei Gericht stellen. Dieser Rechtsanspruch gilt auch Erwachsene, wenn sie zum Tatzeitpunkt das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten.
  • Auch solche Menschen, die als Erwachsene Opfer einer schweren Gewalt- und/oder Sexualstraftat geworden sind, haben die Möglichkeit der Beiordnung einer psychosozialen Prozessbegleiterin oder eines Prozessbegleiters. Sie haben allerdings keinen Rechtsanspruch auf diese Unterstützung, sondern hier haben die Gerichte einen
    Ermessenspielraum. Das Gericht prüft, ob sie „besonders schutzbedürftig“ sind. Darunter fallen z.B. Menschen mit Behinderungen oder mit psychischen Beeinträchtigungen. Und es muss für das Gericht erkennbar sein, dass sie durch die Straftat selbst und durch die bevorstehende Aussagesituation so sehr belastet sind, dass ihre Aussagefähigkeit behindert ist und dass deshalb die Wahrheitsfindung vor Gericht beeinträchtigt sein wird. Auch sie müssen einen entsprechenden Antrag stellen.
  • In Schleswig-Holstein kann darüber hinaus in bestimmten Fällen, in denen eine Beiordnung durch das Gericht nicht greift, eine Psychosoziale Prozessbegleitung als freiwillige Leistung gewährt werden. Diese Regelungen gilt z.B. wegen ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit für Verletzte von Häuslicher Gewalt und bei Stalking. Auch in andere jeweils zu prüfenden Härtefällen sowie für besonders schutzbedürftigen Angehörige kann diese Hilfe gewährt werden.

Weitere Angebote