Aktuelles

Bundesweite Arbeitsgruppe „Frühe Kindheit“ des Fachverbandes Traumapädagogik trifft sich zum ersten Mal

Traumatische Erfahrungen in der Schwangerschaft, während der Geburt oder in den ersten Lebensjahren des Kindes können tiefe seelische Verletzungen hinterlassen – nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei ihrem (ungeborenen) Kind.

Das können körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen sein, permanente Demütigung, plötzlicher Verlust einer nahestehenden Person, Miterleben von Krieg und Flucht und existentielle (Zukunft-) Ängste, traumatische Erlebnisse unter oder nach der Geburt, aber auch chronische Stresserfahrungen während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren des Kindes.

Mit dieser besonderen Zielgruppe setzt sich die Arbeitsgemeinschaft „Frühe Kindheit“ des Fachverbandes Traumapädagogik auseinander. Die AG befindet sich derzeit in der Entstehungsphase und hat sich vergangene Woche zum ersten Mal in den Räumlichkeiten des Wendepunkt e.V. in Elmshorn getroffen.

Im vergangenen Jahr gab es einen ersten Austausch interessierter Fachkräfte, die für Kinder in der frühen Kindheit einen fachlichen Diskurs in der Traumapädagogik für erforderlich hielten. Dabei sind verschiedene Arbeitsfelder vertreten, die in spezifischer Form mit der Betreuung und Versorgung sehr junger Kinder betraut sind: ambulante Beratung im Rahmen von „Frühen Hilfen“, Kindertageseinrichtung, Erziehungsstelle sowie Trauma-Ambulanz.

Als gemeinsame Annahme gilt, dass es einen spezifischen Bedarf an traumapädagogischem Verstehen und Interventionen für den Bereich von 0-6jährigen Kindern in den bisherigen Hilfestrukturen gibt. Es ist eine Zunahme an Babys und Kleinkindern im Ki-Ju-Hilfekontext zu beobachten, während nicht automatisch die entsprechende Expertise vorhanden ist.

Der Wendepunkt e.V. bietet seit einigen Monaten Beratung und Therapie für Familien mit Kleinkindern, die traumatische Erlebnisse hatten, an. Es gibt Einzeltermine Beratung und Therapie des Familiensystems, und ab Herbst ist eine offene Gruppe für (werdende) Eltern von Kleinkindern (0-3 Jahre) nach hochbelastenden und traumatisierenden Erlebnissen geplant. 

Foto von links:

Daniela Mülder, Leinerstift gGmbH und Sturmfänger – Zentrum für Traumapädagogik; Rita Köllner, Traumafachberatung Delbrück; Frauke Schöffel, Abteilung „Frühe Kindheit“, Wendepunkt e.V.; Franz Schneider, Co-Leitung Interdisziplinäre Traumaambulanz Westholstein, Wendepunkt e.V.; Marie Pagenberg, IBAF gGmbH; Christiane Hinnenkamp, OLE gGmbH

Präventive Arbeit ist durch Corona noch wichtiger als zuvor – „Ihre Arbeit spart der Gesellschaft viele Folgekosten“

Der Grünen-Direktkandidat für den Bundestag aus dem Kreis Pinneberg, Jens Herrndorff, hat den Wendepunkt besucht, um sich über unsere Arbeit und die Folgen von Corona für Kinder und Jugendliche zu informieren.

„Wir können die tatsächlichen Folgen noch nicht komplett überblicken“, erklärte Geschäftsführer Dirk Jacobsen Herrndorff und Grünen-Vorstandsmitglied Christine Herde-Hitziger. „Die Fälle landen bei uns mit Verzögerung. Kinder und Jugendliche, die Hilfe benötigen, melden sich nur sehr selten direkt bei uns. Oft sind es Lehrkräfte oder Schulsozialarbeiter*innen, die an uns herantreten, weil ihnen ein Kind auffällt.“ Nachdem die wichtigen Schnittstellen Schule sowie Kita lange ausgefallen sind, fehlen den Kindern in den Sommerferien abermals mögliche außenstehende Kontaktpersonen.

In unserem Fachbereich Erziehungshilfen hingegen steigen die Anfragen durch das Jugendamt gerade deutlich an. Wenn eine Familie Unterstützung benötigt, muss dies erst vom Jugendamt geprüft und genehmigt werden. Dann werden entsprechende Leistungen verfügt und bei den Hilfestellen in Auftrag gegeben. „Wir haben gerade exponentiell mehr Anfragen als üblich – die zusätzlichen Belastungen durch Corona wie Homeschooling, Homeoffice oder existentielle Sorgen haben viele Familiensysteme an die Belastungsgrenze gebracht“, berichtet Frauke Schöffel, Leiterin des Fachbereichs Erziehungshilfen.

Herrndorff interessierte sich besonders auch für die präventive Arbeit des Wendepunktes. Durch die Schulschließungen sind leider viele Projekte ausgefallen – und als dann endlich erste Öffnungen möglich waren, hatten die Schulen erstmal ganz andere Sorgen, berichtete Anja Wendland, Leiterin des Fachbereichs Prävention. „Wir haben gemeinsam mit den Schulen schon ganz viele Projekte für das nächste Halbjahr geplant – aber wir werden nicht alles nachholen können. In den Zeiten der Schließungen haben wir unser Programm zum Teil auf Online-Angebote umgestellt. Die digitalen Elternabende werden sehr gut angenommen – das werden wir auch in Zukunft fortsetzen. Aber die Schulprojekte müssen im direkten Kontakt durchgeführt werden – gerade bei den sensiblen Themen, die wir behandeln.“ Die gewaltpräventive Arbeit ist im Kreis Pinneberg gut aufgestellt und wird aus Kreismitteln finanziert – in Elmshorn wird sie zusätzlich durch die Stadt und die Sparkasse Elmshorn unterstützt.

Im Bereich Prävention gegen sexuelle Gewalt sind die Mittel bisher leider nicht ausreichend. Die Finanzierung erfolgt bislang überwiegend aus kommunalen Mitteln, die jedes Jahr neu beantragt werden müssen, und Spendengeldern. Dies ist mit großem Verwaltungsaufwand und mangelnder Planungssicherheit für den Wendepunkt verbunden, erklärt Jacobsen. Gleichzeitig hat gerade im vergangenen Jahr die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche deutlich zugenommen – 14.500 Fälle von Kindesmissbrauch gab es laut Polizeilicher Kriminalstatistik in Deutschland – ein Anstieg um 6,8 % gegenüber dem Vorjahr. Das sind fast 40 Kinder täglich.

Jens Herrndorff ist der Meinung, dass präventive Arbeit und frühzeitige Interventionen elementar für den Schutz von Kindern und Jugendlichen sind – und dass die Kosten für diese Arbeit gut investierte Gelder sind. „Ihre Arbeit spart der Gesellschaft ganz viele Folgekosten – so rum muss man die Rechnung aufmachen. Hier muss sich das politische Bewusstsein entsprechend ändern, das ist ganz wichtig.“

aktuelle Angebote für Elternabende

https://www.gruene-pi.de/

 

8. Interdisziplinäre Traumafachtagung am 17. und 18.11.2021

Im November findet unsere 8. Interdisziplinäre Trauma-Fachtagung statt. Der Fokus liegt in diesem Jahr auf den Auswirkungen von frühen traumatischen Erfahrungen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und den Lebensweg von Erwachsenen.

Nachdem die Veranstaltung im vergangenen Jahr bedauerlicherweise ausfallen musste, haben wir neue Wege gefunden, damit sie in diesem Jahr auf alle Fälle stattfinden kann.

Unser neues Konzept sieht eine Hybrid-Veranstaltung vor – am 17.11. soll eine Präsenzveranstaltung mit begrenzter Teilnehmer*innenzahl stattfinden. Die Veranstaltung wird gleichzeitig per Live-Stream auf eine digitale Eventlocation transferiert. Auf der speziell entwickelten Plattform findet ein eigenes Rahmenprogramm statt. Über eine zusätzliche Moderation können Fragen direkt in die Veranstaltung weitergeleitet werden.

Es gibt digitale Räume für den direkten Austausch, interaktives Netzwerken sowie Hintergrundinformationen. Wir erhoffen uns ein reales und digitales Miteinander!

Die für den zweiten Tag geplanten Workshops werden teilweise als Präsenzveranstaltung, teilweise als Webinar durchgeführt.

Wir haben wieder renommierte Referent*innen gewinnen können! Es wird spannende Beiträge geben zur psychosozialen Notfallversorgung, zur traumasensiblen Arbeit mit Bilderbüchern, zur Förderung der Resilienz in Kita und Schule, zur pränatalen Traumatisierung und dem Kreislauf früher Traumatisierungen, zu Trauma und Substanzmissbrauch, zur Arbeit mit Menschen, die Traumatisches erlebt haben und sich grenzverletzend verhalten, und zu den Methoden des Psychodramas. Alle Informationen zu den einzelnen Angeboten und Inhalten finden Sie hier – die Anmeldung ist ab sofort möglich:

www.wendepunkt-fortbildung.de/trauma-fachtagung

Download Einladung als PDF: Einladung zur 8. Interdisziplinäre Trauma-Fachtagung 2021

Am 1.6. ist Internationaler Kindertag

Kinder und Jugendliche haben einen Rechtsanspruch auf eine gesunde Entwicklung – sie sollen sicher und geschützt aufwachsen können. Das sollte – nicht nur zum Internationalen Kindertag – unsere oberste Priorität sein!

Dabei zeigen die aktuellen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik, dass die Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im vergangenen Jahr deutlich zugenommen hat. Misshandlungen von Schutzbefohlenen haben um 10 % zugenommen, Kindesmissbrauch ist um 6,8 % gestiegen.

Deshalb ist Präventionsarbeit elementar – sie hat das Ziel, Kinder und Jugendliche für Grenzverletzungen zu sensibilisieren, sie darin zu unterstützen, sich vor (sexueller Gewalt) schützen zu können und sie darin zu bestärken, sich im Zweifelsfall rechtzeitig bei erwachsenen Vertrauenspersonen Hilfe zu holen.

Im Rahmen unserer Präventionsarbeit bieten wir Projekte und Fortbildungen zu verschiedenen Themenbereichen an. Denn Gewalt kann ganz unterschiedliche Gesichter haben. Nicht nur Erwachsene können die körperlichen und sexuellen Grenzen von Schülerinnen und Schülern überschreiten. Auch die Gewalt durch Mitschüler und Mitschülerinnen sollte Teil von Präventionsarbeit sein. Wir wollen die Sozialkompetenz sowie die konstruktive Konfliktfähigkeit von Kindern und Jugendlichen fördern und gewalttätige Verhaltensweisen oder Mobbing verhindern helfen.

Institutionelle Schutzkonzepte können allen Beteiligten die notwendige Handlungssicherheit ermöglichen.

Mehr Informationen dazu:

https://www.wendepunkt-ev.de/praevention/

Opfern und Nebenklägern vor Gericht helfen – der Wendepunkt bietet wieder Psychosoziale Prozessbegleitung an

Für Menschen, die Opfer von schweren Gewalttaten oder Sexualverbrechen wurden, kann der Gerichtsprozess eine große Belastung sein. Sie werden mit dem Täter, der Täterin konfrontiert, sie müssen über die schrecklichen Erfahrungen berichten – und das in einer ungewohnten, einschüchternden Umgebung. Aus diesem Grund gibt es speziell ausgebildete Prozessbegleiter*innen, die ihnen in dieser Situation zur Seite stehen. Dies betrifft vor allem Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen sowie Verletzte von sehr schweren Straftaten – teilweise besteht ein Rechtsanspruch auf die Begleitung, in anderen Fällen muss ein entsprechender Antrag richterlich genehmigt werden.

Der Wendepunkt war von Anfang an dabei, als das Land Schleswig-Holstein die Prozessbegleitung Anfang der 90er in einem Modellprojekt ins Leben gerufen hat, und hat die Prozessbegleitung über viele Jahre durchgeführt. Wir freuen uns, dass wir nach einer dreijährigen Pause diese wichtige Unterstützung nun wieder anbieten können, und dass wir mit unserer ehemaligen Geschäftsführerin Ingrid Kohlschmitt eine hochqualifizierte und erfahrene Kraft gewinnen konnten. Die Dipl.-Pädagogin hat sich zur zertifizierten Psychosozialen Prozessbegleiterin für den Landgerichtsbezirk Itzehoe fortbilden lassen.

„Es geht darum, die Menschen auf die Situation im Prozess vorzubereiten, ihnen den Ablauf und die unterschiedlichen Aufgaben der Beteiligten zu erklären und ihnen Ängste, Unsicherheiten und Sorgen zu nehmen“, erklärt Kohlschmitt. „Während des Prozesses ist es wichtig, ihnen zur Seite zu stehen und sie in dieser belastenden Situation zu stabilisieren.“

Vor allem Kinder und Jugendliche profitieren von einer solchen Begleitung. Bei hochsensiblen oder gar beschämenden Fragen kann es für Kinder belastender sein, wenn ein Elternteil im Gerichtssaal neben ihnen sitzt – „sie wollen in aller Regel ihre eigenen Eltern davor schützen zu erfahren, was sie selbst erlebt haben“, berichtet Kohlschmitt.

Die Prozessbegleitungen unterstützen und stärken die von ihnen betreuten Zeug*innen – sie dürfen aber mit ihnen nicht über das mutmaßliche Tatgeschehen sprechen. So soll sichergestellt werden, dass sie nicht selbst in den Zeugenstand gerufen werden und damit nicht mehr ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen können.

„Diese Menschen haben durch die Tat oder Taten sowieso schon Beschädigendes erlebt. Ich möchte, dass sie den Prozess möglichst ohne weitere Beschädigungen überstehen – und dass sie hinterher gestärkt aus dieser Erfahrung mit neuen Perspektiven für die Zukunft rausgehen. Dass sie sich sagen können: ich habe es geschafft, ich bin aktiv geworden, bin da durchgegangen –  und ich muss nicht für immer Opfer bleiben.“

Betroffene können sich bei Bedarf an ihre Nebenklagevertretung wenden, damit ggf. ein entsprechender Antrag gestellt wird – oder auch direkt an den Wendepunkt. Die Prozessbegleitungen geben keine rechtliche Beratung und übernehmen auch keine therapeutischen Aufgaben – in diesen Fällen vermitteln sie an Fachkräfte und entsprechende Beratungsstellen.

Neues Stellenangebot: Wir suchen Sozialpädagog*innen/Psycholog*innen!

Wir suchen zum frühestmöglichen Termin  für unser Traumazentrum

SOZIALPÄDAGOG*INNEN / PSYCHOLOG*INNEN

mit therapeutischer Zusatzqualifikation
 (Schwerpunkt Kinder und Jugendliche)

Sie sollten engagiert und flexibel sein und traumapädagogische und/oder traumatherapeutische Kompetenzen mitbringen.

Ihr Profil:

  • Abgeschlossenes Studium der Sozialpädagogik oder Psychologie mit therapeutischer Zusatzqualifikation
  • Erste Berufserfahrung wünschenswert
  • Sicherheit im Auftreten
  • Kooperations- und Reflexionsbereitschaft
  • Freude am Umgang mit Kindern und Jugendlichen
  • Sicherer Umgang mit den gängigen Office-Anwendungen

Wir bieten:

  • Vollzeit 39 Std./Woche (die Stelle ist teilbar)
  • Flexible Arbeitszeiten nach Absprache mit dem Arbeitgeber
  • Vergütung in Anlehnung an den TVöD Bund
  • Ein freundliches und motiviertes Team
  • Regelmäßige Teilnahme an Teamsitzungen, Supervision und Fortbildung
  • Eine verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Aufgabe
  • Angebote zur Erhaltung Ihrer Gesundheit (Psygesa e.V., Bewegte Pause, Obstkorb)
  • Gute Anbindung an den HVV, fußläufig vom Bahnhof erreichbar
  • Möglichkeit der Teilnahme am Bikeleasing und Corporate Benefits

 

Bewerbungen bitte per Mail bis zum 11.06.21 als PDF an bewerbung@wendepunkt-ev.de

Fragen beantwortet gern Herr Niemann, Telefon 0 41 21 – 47 57 3 – 0

Nähere Informationen finden Sie unter hier.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Unser aktueller Newsletter ist da!

Es gibt wieder viel zu berichten über unsere  Arbeit, über Neuigkeiten, Ereignisse und unsere aktuellen Angebote.

Die Pandemie beeinflusst auch unsere Arbeit weiterhin, doch in der direkten Arbeit mit unseren Klient*innen haben wir gute Wege gefunden, um in engem Kontakt mit ihnen zu bleiben, sie zu unterstützen und zu beraten.

Um den Newsletter zu abonnieren, einfach auf den Button in der rechten Leiste gehen!

Unsere Themen sind diesmal unter anderem:

­Opfern und Nebenklägern vor Gericht helfen – wir bieten wieder Prozessbegleitung an

Sekundärpräventives Gruppenangebot für Kinder und Jugendliche: Kimoko (Kinder-Motvations-Konzept)

Häusliche Gewalt gegen Männer – ein Beitrag des NDR über unsere Männerberatung

Workshop „Kreatives Schreiben“

­Die Arbeit unserer Ambulanten Rückfallprophylaxe im Fokus

Fortbildungsangebote und Traumafachtagung

Traumaarbeit im Kreis Pinneberg und Kreis Steinburg

Neue und „alte“ Gesichter

Hier findet sich der Newsletter.

 

Die Förderstiftung des Kreises Steinburg unterstützt auch in diesem Jahr die Arbeit des Wendepunktes

Dank der Fördersumme über 52.954,00 Euro können auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Fachkräfte aus dem Kreis Steinburg das Angebot der Interdisziplinären Trauma-Ambulanz nutzen. Im vergangenen Jahr hat die Förderstiftung zum ersten Mal das Angebot der Trauma-Ambulanz, die eine Kooperation zwischen dem Wendepunkt und den Regio Kliniken Elmshorn ist, unterstützt.

Die Steinburger Förderstiftung leistet jährlich Zuschüsse an gemeinnützige Vereine und Verbände in den Bereichen Jugend, Familie, Bildung, Erziehung und Kultur zu Gunsten der Einwohner*innen des Kreises Steinburg. Insgesamt beläuft sich das Fördervolumen im Jahr 2021 auf rund 1.637.000 Euro.

Die Nachfrage bereits im ersten Jahr macht deutlich, dass es einen sichtbaren Bedarf für traumaspezifische Angebote im Kreis Steinburg gibt. Die Hilfen richten sich an Menschen, die hochbelastende, traumatisierende Erfahrungen machen mussten. Das sind zum Beispiel Kinder, die misshandelt wurden oder Gewalt innerhalb ihrer Familie miterleben mussten, die einen Verlust in der Familie oder einen schweren Unfall erlebt haben. Menschen mit Migrationshintergrund haben häufig in den Heimatländern oder auf der Flucht schlimme Erfahrungen gemacht, die sie erst noch verarbeiten müssen. Die Trauma-Ambulanz bietet in solchen Fällen eine niedrigschwellige, fachlich umfassende Versorgung und adäquate, sowie vor allem schnelle Hilfe. Geradebei jungen Menschen ist es entscheidend, frühzeitig zu intervenieren, damit sich keine Folgeschäden entwickeln.

In 71 Fällen haben im vergangenen Jahr Betroffene oder Familien aus dem Kreis Steinburg in der Trauma-Ambulanz Hilfe gesucht. Außerdem gab es 10 Fachberatungen, denn das Angebot der Trauma-Ambulanz richtet sich mit Fortbildungen und Beratungen auch an Fachkräfte, zum Beispiel aus dem Bereich der Jugendhilfe, Kitas, der Eingliederungshilfe, dem Gesundheitswesen oder der – auch ehrenamtlichen – Flüchtlingshilfe. Fachkräfte, die mit hochbelasteten Menschen zu tun haben, können sich Rat und Unterstützung im Wendepunkt holen.

Von den 71 Betroffenen waren 4 Opfer von Straftaten – diese Fälle werden über das Opfer-entschädigungsgesetz finanziert. Und 7 hochbelastete Männer aus dem Kreis Steinburg haben sich an die Männerberatung des Wendepunktes gewandt, die Teil eines landesweiten Angebots ist. Außerdem haben im Jahr 2020 51 Fachkräfte an ersten Schulungen teilgenommen.

Von den Betroffenen, die in der Trauma-Ambulanz Hilfe gesucht haben, waren 43 Kinder und Heranwachsende und 24 Erwachsene. In 4 Fällen waren verschiedene Altersstufen vertreten, weil zum Beispiel ganze Familiensysteme betroffen waren.

Das Beratungsangebot wurde im vergangenen Jahr etwas umgestellt, um Beratungen auch per Telefon, Video-Konferenz, online oder auch an der frischen Luft durchführen zu können. Fortbildungen wurden zum Teil in Online-Formaten durchgeführt. Gerade bei der Versorgung hochbelasteter Kinder war und ist aber der persönliche Kontakt unerlässlich. Auch das war unter Einhaltung der Hygienevorschriften stets möglich.

„Wir freuen uns sehr, dass wir dank der Förderstiftung unser Angebot auch in diesem Jahr fortsetzen können. Menschen brauchen Hilfe bei der Verarbeitung von massiv belastenden Erfahrungen“, erläutert Sascha Niemann, Leiter des Fachbereichs Traumazentrum und Beratung im Wendepunkt e.V. „Dass uns schon im ersten Jahr so viele Hilfsanfragen erreicht haben, zeigt, dass es einen großen Bedarf an kurz-und mittelfristigen Traumainterventionen gibt. Unser Ziel ist es, unser Angebot noch bekannter zu machen, um möglichst viele Menschen, die Hilfe benötigen, zu erreichen. Gerne würden wir unsere Arbeit im Kreis Steinburg verstetigen.“

Foto: Das Wendepunkt-Team der Trauma-Ambulanz (Foto wurde vor Beginn der Pandemie aufgenommen)

 

Mehr als 1000 Menschen haben sich 2020 hilfesuchend an den Wendepunkt gewandt

Die Zahl der Beratungsanfragen ist vergleichbar hoch wie im Vorjahr – und das trotz des Lockdowns und der damit verbundenen Kontaktbeschränkungen. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht für 2020 hervor, den der Wendepunkt e.V. heute vorgestellt hat.

Dabei weisen die Zahlen über das Jahr verteilt deutliche Schwankungen auf. So gab es während der Kita- und Schulschließungen wesentlich weniger Hilfeanfragen als sonst. „Das liegt vor allem daran, dass es oft die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas und Schulen sind, die sich an uns wenden, wenn sie vermuten, dass ein Kind Hilfe benötigt“, erklärt Dirk Jacobsen, Geschäftsführer des Wendepunkt e.V. „In dieser Zeit haben wir uns große Sorgen gemacht, inwieweit es gerade Kindern und Jugendlichen möglich ist, sich Hilfe zu suchen. Ohnehin belastete Familiensysteme standen und stehen durch die Situation unter besonderem Druck – dadurch steigt die Gefahr von häuslicher und familialer Gewalt. Durch die soziale Distanz und Isolation sind Opfer den Tätern im direkten Umfeld viel stärker ausgesetzt und Übergriffe werden nicht so schnell bemerkt.“

Nach den Sommerferien sind mit der Öffnung der Kitas und Schulen die Beratungsanfragen auch prompt rasant angestiegen – es wurde sichtbar, wo in der Zeit des Lockdowns Probleme aufgetreten sind.

Insgesamt 1029 Hilfeanfragen haben 2020 den Wendepunkt erreichbar – vergleichbar viele wie im Vorjahr. Da es zum Ende des Jahres wieder zu Schließungen kam, ist aber nicht auszuschließen, dass Fälle noch nicht sichtbar wurden. „Wir befürchten, dass die Zahlen nochmal ansteigen werden, wenn sich die Situation wieder normalisiert. In den vergangenen Wochen, in denen die Schulen und Kitas wieder teilweise geöffnet hatten, haben wir auch wieder sofort einen deutlichen Anstieg an Hilfeanfragen erlebt“, berichtet Sascha Niemann, Leiter des Fachbereichs Traumazentrum und Beratung. „In Familien, in denen die Situation schon vorher prekär war, hat die Pandemie wie ein Brandbeschleuniger gewirkt.“

Es gab insgesamt 554 Fallanfragen an das Traumazentrum und die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz des Wendepunktes. 173 Anfragen betrafen dabei die Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt. Diese Zahl ist fast identisch zum Vorjahr – während in ganz Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr laut Kriminalstatistik der sexuelle Missbrauch von Kindern um erschreckende 15,8% zugenommen hat.

Die Pandemie hat aber auch Familien stark belastet, die vorher nicht auffällig waren. „Homeoffice und Homeschooling, finanzieller Druck durch Kurzarbeit, das fehlende Netzwerk an Freizeitangeboten – wir sehen, dass sich vermehrt Familien beim Jugendamt melden und sagen: wir schaffen das einfach nicht mehr“, berichtet Frauke Schöffel-Raecke, Leiterin des Fachbereichs Erziehungs- und Familienhilfen. Insgesamt 105 Maßnahmen wurden in diesem Fachbereich übernommen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (74 Maßnahmen).

Wie in allen Fach- und Arbeitsbereichen des Wendepunktes wurden auch bei den Erziehungshilfen neue Wege gesucht, um mit den Familien in Kontakt zu bleiben. Beratungen wurden per Telefon oder Video-Chat durchgeführt, es gab gemeinsame Spaziergänge und spezielle Angebote für die Kinder.

In Notfällen waren aber stets auch persönliche Kontakte und Beratungen möglich.

In dem Fachbereich Ambulante Rückfallprophylaxe und Täterarbeit sind die Beratungszahlen etwas angestiegen. Hier spiegelt sich ein Trend wieder, der auch in der Kriminalstatistik deutlich zu sehen ist: die Verbreitung kinderpornografischer Schriften in Schleswig-Holstein hat gegenüber dem Vorjahr um 33,4 % zugenommen. Schon 2019 gab es hier einen vergleichbaren Anstieg.

In dem Bereich Prävention sind durch die langen Schließungen im vergangenen Jahr bedauerlicherweise viele präventive Projekte und Veranstaltungen ausgefallen. Auch hier haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wendepunktes nach neuen Kontaktmöglichkeiten und Informationswegen gesucht – über Newsletter, Social Media, Podcasts und Online-Angebote. In den Zeiten der Öffnungen konnten insgesamt 124 Präventionsmaßnahmen vor Ort durchgeführt werden.

„In Zeiten der sozialen Distanz ist es besonders wichtig, auf Hilfsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien hinzuweisen“, betont Dirk Jacobsen. „Wir sind als Gesellschaft aufgefordert, aufmerksam zu sein und hinzugucken, ob irgendwo Hilfe benötigt wird. Und gegebenenfalls Hilfe zu holen und Unterstützung anzubieten. Es wird auch dann, wenn wir wieder zu mehr Normalität zurückkehren können, eine höhere Aufmerksamkeit gerade für die Kinder und Jugendlichen benötigen. Kinder müssen bestimmte Entwicklungsschritte machen, die in dieser herausfordernden Zeit vielleicht nicht möglich waren. Da müssen wir uns fragen, wie wir diese Entwicklungsschritte wiederaufarbeiten können.“

Tätigkeitsbericht 2020

Wir suchen Verstärkung für unseren Fachbereich ambulante Familien- und Erziehungshilfen – Sozialpädago*ginnen, gerne auch Berufsanfänger*innen oder Erzieher*innen mit Zusatzqualifikationen

Wir suchen zum nächstmöglichen Termin für unseren Fachbereich ambulante Familien- und Erziehungshilfen

SOZIALPÄDAGOG*INNEN (Dipl./BA/MA), GERNE AUCH BERUFSANFÄNGER*INNEN, ERZIEHER*INNEN MIT ZUSATZQUALIFIKATIONEN.

In dem Team der Familien-und Erziehungshilfen werden alle Hilfen gem. §§27/41 i.V.m. §30, 31, 35 und 35a SGB VIII durchgeführt. Wir unterstützen Kinder, Jugendliche und Familien bei der Bewältigung ihres Alltages, stabilisieren sie in ihrer persönlichen und sozialen Lebenssituation und entwickeln gemeinsam Perspektiven zur Verbesserung. Die Ressourcen ihres sozialen Umfelds und des Sozialraums werden in die Hilfe miteinbezogen.

 

Ihr Profil:

  • Abgeschlossenes Studium der Sozialpädagogik oder vergleichbarer Abschluss
  • Abgeschlossene Ausbildung zum/r Erzieher*in, wünschenswert eine vorhandene traumatherapeutische oder beraterische Zusatzqualifikation
  • Bereitschaft zum selbstständigen und flexiblen Arbeiten mit der Zielgruppe
  • Sicherheit im Auftreten
  • Kooperations- und Reflexionsbereitschaft
  • Freude am Umgang mit Kindern und Jugendlichen
  • Sicherer Umgang mit den gängigen Office-Anwendungen
  • Führerschein erforderlich

 

Wir bieten:

  • 30 – 35 Std./Woche
  • Flexible Arbeitszeiten nach Absprache mit dem Arbeitgeber
  • Vergütung in Anlehnung an den TVöDBund
  • Ein freundliches und motiviertes Team
  • Regelmäßige Teilnahme an Teamsitzungen, Supervision und Fortbildung
  • Eine verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Aufgabe
  • Gute Anbindung an den HVV, fußläufig vom Bahnhof erreichbar
  • Angebote zur Erhaltung Ihrer Gesundheit (Psygesae.V., Obstkorb)
  • Möglichkeit der Teilnahme am Bikeleasing und Corporate Benefit

 

Bewerbungen bitte per Mail bis zum 31.03.21 als PDF an bewerbung@wendepunkt-ev.de.

Fragen beantwortet gern FrauSchöffel-Raecke perMail unter schoeffel@wendepunkt-ev.de. Nähere Informationen zum Wendepunkt finden Sie unter www.wendepunkt-ev.de.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!