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Bundesweite Arbeitsgruppe „Frühe Kindheit“ des Fachverbandes Traumapädagogik trifft sich zum ersten Mal

Traumatische Erfahrungen in der Schwangerschaft, während der Geburt oder in den ersten Lebensjahren des Kindes können tiefe seelische Verletzungen hinterlassen – nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei ihrem (ungeborenen) Kind.

Das können körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen sein, permanente Demütigung, plötzlicher Verlust einer nahestehenden Person, Miterleben von Krieg und Flucht und existentielle (Zukunft-) Ängste, traumatische Erlebnisse unter oder nach der Geburt, aber auch chronische Stresserfahrungen während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren des Kindes.

Mit dieser besonderen Zielgruppe setzt sich die Arbeitsgemeinschaft „Frühe Kindheit“ des Fachverbandes Traumapädagogik auseinander. Die AG befindet sich derzeit in der Entstehungsphase und hat sich vergangene Woche zum ersten Mal in den Räumlichkeiten des Wendepunkt e.V. in Elmshorn getroffen.

Im vergangenen Jahr gab es einen ersten Austausch interessierter Fachkräfte, die für Kinder in der frühen Kindheit einen fachlichen Diskurs in der Traumapädagogik für erforderlich hielten. Dabei sind verschiedene Arbeitsfelder vertreten, die in spezifischer Form mit der Betreuung und Versorgung sehr junger Kinder betraut sind: ambulante Beratung im Rahmen von „Frühen Hilfen“, Kindertageseinrichtung, Erziehungsstelle sowie Trauma-Ambulanz.

Als gemeinsame Annahme gilt, dass es einen spezifischen Bedarf an traumapädagogischem Verstehen und Interventionen für den Bereich von 0-6jährigen Kindern in den bisherigen Hilfestrukturen gibt. Es ist eine Zunahme an Babys und Kleinkindern im Ki-Ju-Hilfekontext zu beobachten, während nicht automatisch die entsprechende Expertise vorhanden ist.

Der Wendepunkt e.V. bietet seit einigen Monaten Beratung und Therapie für Familien mit Kleinkindern, die traumatische Erlebnisse hatten, an. Es gibt Einzeltermine Beratung und Therapie des Familiensystems, und ab Herbst ist eine offene Gruppe für (werdende) Eltern von Kleinkindern (0-3 Jahre) nach hochbelastenden und traumatisierenden Erlebnissen geplant. 

Foto von links:

Daniela Mülder, Leinerstift gGmbH und Sturmfänger – Zentrum für Traumapädagogik; Rita Köllner, Traumafachberatung Delbrück; Frauke Schöffel, Abteilung „Frühe Kindheit“, Wendepunkt e.V.; Franz Schneider, Co-Leitung Interdisziplinäre Traumaambulanz Westholstein, Wendepunkt e.V.; Marie Pagenberg, IBAF gGmbH; Christiane Hinnenkamp, OLE gGmbH