Aktuelles

17/04/2019 Immer mehr Menschen suchen Hilfe beim Wendepunkt e.V. und im Interdisziplinären Trauma-Zentrum

Vorstellung des Tätigkeitsberichts 2018

Insgesamt knapp 1200 Menschen haben im vergangenen Jahr beim Wendepunkt e.V. Hilfe gesucht – das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um fast 11 Prozent. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht für 2018 hervor, den Wendepunkt-Leiter Dirk Jacobsen in Elmshorn vorgestellt hat.

Die Zahlen steigen seit Jahren kontinuierlich, was aber nicht zwangsläufig bedeute, dass die Zahl der Übergriffe immer größer werde, so Jacobsen. Diese Zunahme sei vor allem auch darauf zurückzuführen, dass immer mehr Menschen die verschiedenen Hilfsangebote des Vereins kennen und annehmen. „Zu uns kommen Kinder und Jugendliche, die traumatisierende Erfahrungen machen mussten, und direkt unsere Hilfe benötigen, ebenso wie Fachkräfte, die Unterstützung suchen in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wir arbeiten im Rahmen unserer Erziehungshilfen auch mit Familien, in denen eine gesunde Entwicklung von Kindern gefährdet ist. Und wir werden zum Beispiel in Schulen gerufen, wenn in einer Klasse eine besondere Konfliktsituation vorliegt.“

Unvermindert hoch sind die Zahlen im Bereich des Interdisziplinären Trauma-Zentrums. Die Fachkräfte des Wendepunktes haben sich insgesamt um 513 Fallanfragen gekümmert –damit ist die Nachfrage auf dem hohen Niveau des Vorjahres geblieben. Doch leider reichen die öffentlichen Mittel dafür nicht aus. Im Herbst hatte der Kreis beschlossen, die Trauma-Ambulanz mit 60.000 Euro zu unterstützen – allerdings erst für 2019. „Wir freuen uns, dass der Kreis die Bedeutung der Arbeit anerkennt und dafür Sorge trägt, dass sie grundsätzlich gesehen aufrechterhalten werden kann – aber auch diese Summe wird nicht ausreichen“, betont Dirk Jacobsen. Ohne die Unterstützung von Stiftungen, Firmen, Vereinen und Privatleuten wäre die Arbeit im zurückliegenden Jahr nicht möglich gewesen.
„Menschen, die traumatische Erfahrungen machen mussten, brauchen möglichst schnell ein trauma-spezifisches Angebot. Sie brauchen die Hilfe von speziell ausgebildeten Fachkräften“, so Ralph Kortewille von der Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie der Regio Kliniken in Elmshorn. Das Trauma-Zentrum, dessen interdisziplinärer, intersektoraler und interprofessioneller Ansatz laut Kortewille bundesweit einmalig ist, ist eine Kooperation des Wendepunktes mit den Regio Kliniken. Auch im Krankenhaus sind die Fallzahlen der Trauma-Behandlungen kontinuierlich gestiegen.

„Angesichts der steigenden Hilfeanfragen ist es unserer Meinung nach unerlässlich, die präventive Arbeit weiter auszubauen“, so Dirk Jacobsen. „Die gewaltpräventive Arbeit in der Region Elmshorn-Barmstedt, sowie die Bemühungen in der Prävention von sexuellem Missbrauch haben auch im Jahr 2018 wieder viele Kinder und Jugendliche erreicht und ihre gesunde Entwicklung befördert.“ Der Wendepunkt bietet Präventionsmaßnahmen an Schulen, Elternabende und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte an.

Allein mit den Fortbildungen, Workshops und Seminaren im Rahmen des hauseigenen Fortbildungszentrums (WFZ) wurden im vergangenen Jahr 2.046 Fachkräfte erreicht - 2017 waren es 1.200.

Einzelne Städte und Gemeinden unterstützen im Rahmen der Missbrauchsprävention auch sexualpädagogische Angebote an den Schulen. Die hohe Nachfrage zeigt deutlich den Bedarf von Schulen. „Sexualpädagogische Angebote an den Schulen unterstützen die sexuelle Selbstbestimmung, fördern Verantwortungsbewusstsein und dienen der Prävention von sexuellem Missbrauch. Wir würden uns wünschen, dass Sexualpädagogik wieder Teil des Präventionskonzeptes des Kreises wird“, sagt Jacobsen.

Dirk Jacobsen hat Ende vergangenen Jahres die Leitung des Wendepunktes von Ingrid Kohlschmitt übernommen. Die Gründerin und langjähriges Geschäftsführerin hatte sich in den Ruhestand verabschiedet.

Der Wendepunkt e.V. konnte im vergangenen Jahr sein 25jähriges Bestehen feiern. Im Lauf der Jahre wurden die Hilfsangebote und Arbeitsbereiche immer weiter ausgebaut. So arbeitet der Wendepunkt zum Beispiel auch mit sexuell auffälligen Minderjährigen und jungen Erwachsenen. „Es ist unserer Meinung nach der beste Opferschutz, wenn keine weiteren Taten mehr begangen werden. Wir wollen, dass übergriffige junge Menschen verstehen, welche Folgen ihre Taten haben. Das ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch“, erklärt Bernd Priebe, Leiter des Fachbereichs „Ambulante Rückfallprophylaxe“ des Wendepunktes.

2018 Taetigkeitsbericht

Foto (von links nach rechts):
Lena Würger, Leitung Fachbereich Erziehungshilfen

Sascha Niemann, Leitung Fachbereich Trauma-Ambulanz und Beratung
Dirk Jacobsen, Geschäftsführer Wendepunkt
Bernd Priebe, Leitung des Fachbereichs Ambulante Rückfallprophylaxe
Ralph Kortewille, Regio Kliniken
Jutta Wedemann, Leitung Fachbereich Prävention

21/03/2019 Fortbildungszentrum erhält Qualitätssiegel des Landes Schleswig-Holstein

„Staatlich anerkannter Träger der Weiterbildung“ – dieses Qualitätssiegel hat das Fortbildungszentrum des Wendepunkt e.V. (WFZ) vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein verliehen bekommen. Damit ist der Wendepunkt einer der wenigen Träger im Kreis Pinneberg, der dieses Siegel führen darf.

Dr. Silke Detering, Referatsleiterin Fachkräftesicherung und Weiterbildung des Ministeriums, kam eigens aus Kiel angereist, um das Zertifikat persönlich zu überreichen und sich die Räumlichkeiten des WFZ anzuschauen. „Die Gewinnung und Sicherung von Fachkräften ist ein wichtiges Thema, die Arbeitskräfte müssen die richtigen Qualifikationen erhalten. Gerade wenn man in Berufen arbeitet, die viel mit menschlichen Problemfeldern zu tun haben. Das WFZ richtet sich mit seinen Angeboten an eine wichtige Zielgruppe.“

Der Wendepunkt engagiert sich seit vielen Jahren in der Fortbildung von Fachkräften aus dem Bildungssektor, der Jugendhilfe, dem Gesundheitswesen oder auch der Justiz. Um Kindern und Jugendlichen das Aufwachsen in einem förderlichen und gewaltfreien Umfeld zu ermöglichen, müssen Fachkräfte aus pädagogischen, psycho-sozialen und anderen Bereichen befähigt sein, die soziale Kompetenz der Heranwachsenden sowie die Erziehungskompetenz von Eltern gezielt zu fördern und im Zweifelsfall zum Wohle der Heranwachsenden professionell einzugreifen.

„Bestimmte Themen sind nicht Bestandteil der Berufsausbildung. Bei ihrer täglichen Arbeit stellen die pädagogischen Fachkräfte dann aber fest, dass sie zum Beispiel viel mit Gewalterfahrungen und Traumatisierungen zu tun haben“, erklärt Dennis Blauert, Leiter des WFZ. „Wir bieten Vorträge, Workshops, Seminare, mehrtägige Fortbildungen und Coachings an, um das nötige Fachwissen zu vermitteln und die Fachkräfte in ihrer Arbeit zu stärken.“

Im vergangenen Jahr nahmen 2046 Personen an insgesamt 100 Fortbildungen teil – eine deutliche Steigerung gegenüber 2017, wo 1200 Personen erreicht wurden. Themen waren zum Beispiel Gewaltprävention, Kinderschutz, Traumapädagogik, Schulbegleitung, Sexualpädagogik, Umgang mit traumatisierten Flüchtlingskindern, Qualitätssicherung und Schutzkonzepte für Einrichtungen.

„Es ist wichtig, gerade auch in Zeiten des Fachkräftemangels, zu qualifizieren und das richtige Hintergrundwissen zu vermitteln. Warum verhält sich ein Kind so – und wie kann ich ihm helfen?“, so Dirk Jacobsen, Leiter des Wendepunktes. „Gleichzeitig muss man aber auch Sorge für sich selbst tragen – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leiden oft selbst unter den psychischen Belastungen. Wir helfen ihnen, sich selbst zu stärken.“

Das Referententeam des WFZ besteht aus 17 Mitarbeitern/innen aus verschiedenen Fachbereichen des Wendepunktes. Alle Referenten arbeiten tagsüber in der Praxis und können daher auf ihre täglichen Erfahrungen zurückgreifen. Vereinzelt kommen auch externe Fachkräfte zum Einsatz – zum Beispiel bei dem jährlichen Trauma-Fachtag.

„Das Siegel ist ein Indiz dafür, dass wir qualitativ hochwertige Fortbildung anbieten“, so Jacobsen. „Das wollen wir weiter ausbauen – das WFZ soll ein Fortbildungszentrum sein für pädagogische Fachkräfte, die sich in den Themenbereichen Kinderschutz und Präventionsarbeit weiterbilden wollen.“

Qualitätssiegel

17/02/2019 Blues und Rock für einen guten Zweck – die Mischung ging auf!

Benefizkonzert in der Dittchenbühne war wieder ein voller Erfolg

Zu Beginn brachten die Jungs von der Elmshorner Schülerband „Soul Boys“ das Publikum in der Dittchenbühne mit Klassikern von namhaften Bands wie Red Hot Chilli Peppers und Lynyrd Skynyrd ordentlich in Schwung. Im Anschluss präsentierte die „Farmers Road Blues Band“ markante und eingängige Titel der internationalen Blues-Rock-Szene. Die beiden Bands wechselten sich zweimal ab und bewiesen mit einem abschließenden gemeinsamen Auftritt, wie gut der Brückenschlag zwischen den Musikergenerationen und Musikstilen funktioniert.

Gut 100 zahlende Gäste waren in die Dittchenbühne gekommen, um die beiden Bands zu hören und den Wendepunkt zu unterstützen. Nach Abzug aller Kosten kamen 950,00 Euro an Einnahmen zusammen. „Die Stimmung war toll, die Musiker haben sehr gut zusammengepasst – wir sind zufrieden“, fasst Organisatorin Annette Krause-Göring vom Vorstand des Wendepunktes zusammen.

Die Einnahmen kommen direkt der Arbeit des Wendepunktes zugute. Gerade die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz hat nach wie vor mit einem Defizit zu kämpfen.

Daher hoffen wir neben dem vielen Zuspruch, den wir bei dem Konzert erhalten haben, auf weitere Spenden. Wer helfen möchte, kann hier (zum Spendenformular) spenden.

24/01/19 Auch Männer brauchen manchmal Hilfe – landesweites Angebot der Männerberatung

Bürgermeister Volker Hatje unterstützt Plakataktion: „ist noch ein Tabuthema“

Superman liegt beim Psychiater auf der Couch – der Anblick lässt den Betrachter zunächst schmunzeln, regt dann aber zum Nachdenken an. Das starke Geschlecht braucht Hilfe? Wie kann das sein?

Mit einer Plakatkampagne, gesponsert durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren Schleswig-Holstein, soll auf das Angebot der Männerberatungsstellen im Land aufmerksam gemacht werden. Das Thema „sexualisierte und häusliche Gewalt gegen Männer“ ist nach wie vor vielen Menschen nicht bewusst und wird in unserer Gesellschaft eher tabuisiert. „Ich habe auch erstmal gestutzt, als ich von dem Thema gehört habe“, so Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje. „Ich finde es sehr gut, dass sich der Wendepunkt hier im Kreis Pinneberg mit diesem Thema auseinandersetzt. Gerade weil es noch eher ein Tabuthema ist.“

Dabei zeigen die aktuellen Zahlen, die das Bundesfamilienministerium zur Thematik veröffentlicht hat, dass auch Männer körperliche Gewalt durch ihre Partnerinnen und Partner erleben und von sexuellem Missbrauch in der Kindheit betroffen sind. 2017 waren 18 % der Opfer von häuslicher Gewalt Männer. Das sind in absoluten Zahlen 25.200 Fälle bundesweit. Und Experten befürchten eine hohe Dunkelziffer. „Männer dürfen keine Schwäche zeigen – dieses Geschlechterklischee dominiert immer noch in den Köpfen und verhindert vielfach, dass Männer Hilfe suchen. Sie haben Angst, als unmännlich stigmatisiert zu werden und schämen sich, zu erzählen, was ihnen zuhause widerfährt“, erklärt Dirk Jacobsen, Leiter des Wendepunkt e.V.

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein hat deshalb ein landesweites, wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt aufgelegt, das bundesweit einmalig ist. Seit dem vergangenen Jahr bieten insgesamt drei Träger in Schleswig-Holstein Männerberatung an - der Frauennotruf in Kiel, Pro Familia in Flensburg und der Wendepunkt in Elmshorn.

„Viele Männer, die zu mir in die Beratung kommen, erzählen erstmalig über ihre erlebte Gewalt und erleben es als große Erleichterung. Wir versuchen, durch Vermeidung von geschlechtlichen Zuschreibungen zur Entlastung von Männlichkeitsanforderungen beizutragen und die Männer bei der individuellen Aufarbeitung zu unterstützen“ berichtet Angela Hartmann, Dipl. Sozialpädagogin vom Frauennotruf in Kiel. Bisher konnten mehr als 200 Klienten eine Unterstützung in einer der drei Beratungsstellen finden.

Nicht wenige Männer haben bereits in ihrer Kindheit Gewalterfahrungen machen müssen. Verschiedene Studien legen nahe, dass jeder achte bis zwölfte Junge bis zur Vollendung seines achtzehnten Lebensjahres Opfer sexualisierter Gewalt wird und 60 % der Jungen in ihrer Kindheit und Jugend geschlagen, getreten oder verhauen werden. Bestehende Hilfsangebote und Facheinrichtungen richten sich aber eher an Kinder und Frauen. Die Plakatkampagne soll jetzt ein Bewusstsein schaffen für dieses Thema und Aufmerksamkeit wecken für die Beratungsangebote in Schleswig-Holstein. Die beiden Motive wurden von KünstlerInnen der Muthesius Kunsthochschule in Kiel entworfen und werden ab Dezember u.a. landesweit in Bussen zu sehen sein, an anderen öffentlichen Orten und als Postkarten in Kneipen ausliegen. „Es ist wichtig, dass das Thema in die öffentliche Diskussion kommt. Damit Männer, die Gewalt erleben, erfahren, dass sie nicht die einzigen sind, denen so etwas passiert – und dass sie sich Hilfe holen können“, so Dipl.-Psychologe Jacobsen.

2018 Psychoedukative Kurzgruppe für belastete Mütter mit Migrationshintergrund

„Von unseren Müttern haben wir gelernt zu schweigen…“

An insgesamt drei Terminen konnten die fünf Teilnehmerinnen der Gruppe die Erfahrung machen, wie hilfreich das Gegenteil sein kann – eben nicht zu schweigen und über Erlebtes zu sprechen. Alle Teilnehmerinnen hatten in ihrem bisherigen Leben extrem belastende, teils traumatische Erfahrungen gemacht, hatten einen Migrationshintergrund und sprachen arabisch als Erstsprache. Mit einer Ausnahme besuchten die Kinder der Frauen ein anderes Angebot des Wendepunktes (das „Sonnensammlerprojekt“), so dass schnell eine Vertrauensbasis entstand, die es den Frauen ermöglichte, sich zu öffnen. 

Mit Unterstützung einer Sprachmittlerin vermittelten wir kultursensibel Wissen über mögliche psychische und psychosomatische Beschwerden als Reaktion auf traumatische Ereignisse. Wir gaben den Frauen die Möglichkeit, sich über das eigene Erleben und auch Bewältigungsversuche auszutauschen. Wir stellten verschiedene Strategien zur Emotionsregulation und Ressourcenaktivierung vor und übten u.a. gemeinsam eine Atem-/ Entspannungstechnik ein.

Wie auch bei den Kindern war ein wesentliches Ziel, Entlastung durch Wissensvermittlung zu schaffen und alltagspraktische Strategien an die Hand zu geben. Die Teilnehmerinnen erhielten Informationen über das Gesundheitssystem in Deutschland und weitere Hilfsangebote in der Region - bei allen war der Wunsch nach weiterer Unterstützung und einem längerfristigen Angebot deutlich. Zum Abschluss gestalteten die Teilnehmerinnen ein Windlicht mit einer individuellen positiven Selbstbekräftigung und einer „Hoffnungsblume“ als Symbol für den Glauben an eine positive Zukunft.

Die Dankbarkeit der Teilnehmerinnen und berührenden Rückmeldungen zeigten uns, wie wichtig und hilfreich ein derartiges Angebot ist – wir hoffen auf die Möglichkeit einer erneuten Durchführung.

20/12/18 Kunsttherapie hilft Flüchtlingskindern

Einmaliges Projekt für DaZ-Klasse in Grundschule Mühlenberg in Quickborn

Sohail ist 9 Jahre alt und stammt aus Afghanistan. Als er mit seiner Familie vor zwei Jahren nach Deutschland geflüchtet ist, ist seine Oma zurückgeblieben. Vor ein paar Monaten ist sie gestorben und Sohail hat sich nicht von ihr verabschieden können. Deshalb hat er für sie ein Herz gebastelt und es in seine Schatzkiste gepackt. Sohail ist wie seine Mitschüler sehr stolz auf die Schatzkisten, die sie im Rahmen des Kunstprojekts gebastelt und gefüllt haben. Die Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren besuchen die Grundschule Mühlenberg und haben alle eine Gemeinsamkeit: sie sind mit ihren Familien aus ihren Heimatländern geflohen. „Fluchterfahrungen machen was mit den Kindern, das bleibt nicht spurlos“, erklärt Kristina Bergholter, Schulsozialarbeiterin. „Wir haben für dieses Projekt die Kinder ausgewählt, die am meisten Unterstützung brauchen. Wir hätten gerne noch mehr Kinder reingenommen.“

Der Wendepunkt e.V. hat in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Elmshorn ein kunsttherapeutisches und –pädagogisches Angebot erarbeitet. Durch die gemeinsame kreative Arbeit lernen die Schüler, sich jenseits der Sprachgrenzen auszudrücken und werden in der Wiederfindung der eigenen Identität unterstützt. Das Projekt ist Ende Oktober gestartet und lief über zwei Monate. Die Kinder haben sich auf kreative Weise mit ihrer Identität auseinandergesetzt und mit großer Begeisterung an einer „Schatzkiste“ gearbeitet, die sie am Ende mit nach Hause nehmen durften.

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„Die Kinder haben sich immer riesig auf die Stunden gefreut, das war ein großes Thema für sie“, erzählt Anna Giles, die DaZ-Lehrerin (Deutsch als Zweitsprache). „Hier haben sie mit Erfolg etwas mitmachen können - auch ohne Sprache, die für viele noch eine Hürde ist.“

Die Kinder haben ihre Schatzkisten verziert, Glücksbringer gebastelt und auch ein Selbstporträt gemalt. Sie haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, wer sie sind, und was ihnen wichtig ist. „Da ist es zu vielen rührenden Momenten gekommen, als sich die Kinder geöffnet haben und gemerkt haben, dass sie untereinander viele Gemeinsamkeiten haben. Und nach jedem Treffen sind hinterher Kinder zu mir gekommen, um mit mir über ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen“, berichtet Kristina Bergholter.

„Es war sehr schön zu sehen, wie stolz die Kinder auf ihre Kisten waren,“ ergänzt Sophie Firle, die das Projekt von Seiten des Wendepunktes betreut hat. „Die Kiste ist auch etwas, was sie zuhause in schwierigen Momenten hervorholen können, und dann können sie sich an die Glücksmomente erinnern.“

Schulleiterin Petra Schüddekopf würde sich wünschen, dass es häufiger solche Projekte gäbe. „Die Integration ist eine große Aufgabe. Wir haben einige Schüler mit Fluchterfahrungen, die psychische Probleme haben. Dafür sind solche Projekte eine tolle Sache, weil die Kinder anders miteinander ins Gespräch kommen.“

Doch leider gibt es keine Regelfinanzierung für Projekte dieser Art.  Dieses kunsttherapeutische Angebot wurde co-finanziert durch die Bürgerstiftung Volksbank Pinneberg-Elmshorn.

14/12/18 Der Wendepunkt feiert 25jähriges Jubiläum

Gründerin und Geschäftsführerin Ingrid Kohlschmitt geht in den Ruhestand – Dirk Jacobsen übernimmt die Leitung

Es war eine große Feier – dem Anlass angemessen. Der Wendepunkt feierte sein 25 jähriges Jubiläum – und gleichzeitig ging eine Ära zu Ende. Wendepunkt-Gründerin und langjährige Geschäftsführerin Ingrid Kohlschmitt übergab am 15.12. die Leitung an ihren Nachfolger Dirk Jacobsen. Der Dipl.-Psychologe arbeitet seit 8 Jahren beim Wendepunkt und war bisher Leiter des Fachbereichs Traumaintervention, Beratung und Erziehungshilfen und hat die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz des Vereins geleitet.

Seit einem Vierteljahrhundert setzt sich der Wendepunkt e.V. in der Region für einen respektvollen und gewaltfreien Umgang in Erziehung, Partnerschaft und Sexualität ein.

„Wir alle profitieren von der professionellen Arbeit des Wendepunktes. Die kommt nicht nur den Hilfesuchenden zugute, sondern davon profitiert auch das Gemeinwesen,“ betonte Stadtrat Dirk Moritz in seiner Rede, in dem er vor allem auch die Lebensleistung von Ingrid Kohlschmitt hervorhob.

Im Lauf der Jahre sind die Aufgabenbereiche des Wendepunktes immer weiter angewachsen, was vor allem ein Verdienst von Kohlschmitt ist, die mit unermüdlicher Energie und Engagement immer wieder neue Wege gegangen ist, um den Schwächsten in der Region zu helfen. Dabei hat sie viele Jahre lang gegen Widerstände und Vorurteile kämpfen müssen.

Seinen Ursprung hat der Verein in einem Fall von sexuellem Missbrauch in Elmshorn Anfang der 90er, bei dem mehrere Kinder Opfer wurden. Die Öffentlichkeit war fassungslos – zu dieser Zeit war das Thema noch hoch tabuisiert, die bundesweite Debatte steckte in den Kinderschuhen und Eltern und Pädagogen in Schule und Kita waren ratlos. Gegen die damals vorherrschende Meinung, die Kinder das Erlebte möglichst schnell vergessen zu lassen, gründete Ingrid Kohlschmitt eine Beratungsstelle für die Betroffenen, um das Unaussprechliche endlich besprechbar zu machen. Der Zuspruch ist groß – viele ehemals Betroffene melden sich und machen deutlich, wie sehr es ihnen geholfen hätte, wenn ihnen damals jemand zugehört und geglaubt hätte.

Von Anfang an ist Kohlschmitt klar, dass nicht nur den Kindern geholfen werden muss, sondern auch den Eltern und den pädagogischen Fachkräften. Denn Aufklärung und Schulung helfen im Umgang mit betroffenen Kindern und sind gleichzeitig entscheidend für die Prävention. Deshalb werden Elternabende und Fortbildungen eine weitere Säule der Beratungsstelle, aus der 1993 dann der Verein Wendepunkt entsteht. Zunächst gibt es heftige politische Debatten über die Notwendigkeit einer solchen Beratungsstelle, doch als innerhalb weniger Tage 1.800 ErzieherInnen und Lehrkräfte an einer Unterschriftenaktion teilnehmen, beschließt der Kreis die Finanzierung der Beratungsstelle. „Ich habe immer Interesse gehabt, Dinge aufzubauen und weiterzuentwickeln,“ erklärt Ingrid Kohlschmitt. „Dabei haben mich Widerstände nie entmutigt, ganz im Gegenteil. Das hat mich noch mehr motiviert. Denn ich bin total überzeugt vom Sinn meiner Arbeit!“

Im Lauf der nächsten Jahre werden die Tätigkeitsfelder ausgeweitet. Neben dem Thema sexueller Missbrauch kümmert sich der Wendepunkt auch um Kinder und Jugendliche, die andere Formen von Gewalt erleben mussten. Ingrid Kohlschmitt kämpft um den Erhalt und Ausbau der gewaltpräventiven Arbeit und setzt die Finanzierung von präventiven Maßnahmen in Kitas und Schulen durch die jeweiligen Städte und Gemeinden durch. Es werden Außenstellen in Quickborn und einige Jahre später in Schenefeld gegründet – mittlerweile ist der Wendepunkt u.a. auch in Hamburg, Steinburg und Neumünster tätig.

„Ingrid, Du hast die Jugendhilfe maßgeblich geprägt“, betonte Schulrat Dirk Janssen. „Und du hast die Verwaltung und die Politik ab und an das Fürchten gelehrt.“ „Du brennst für Menschen und Inhalte“, ergänzte Christoph Helms, Leiter des Jugendamtes Kreis Pinneberg. „Du hast eine unbändige Bereitschaft, für die Sache zu kämpfen. Ohne dich wäre die Entwicklung der letzten 30 Jahre nicht möglich gewesen.“

Im Rahmen der Präventionsarbeit betritt der Verein ein weiteres Mal Neuland. Nachdem zunehmend Fälle von sexuell übergriffigen Jugendlichen bekannt werden, beschließt der Wendepunkt, sich auch um jugendliche Täter zu kümmern. Denn ein qualifiziertes psychosoziales Hilfsangebot ist der wirksamste Schutz gegen Rückfälle – und ist damit gleichzeitig Opferschutz. Einige Jahre später entsteht daraus die Hamburger Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene, die Anfang diesen Jahres 10jähriges Jubiläum feiern konnte. Beratungsstellen gegen Gewalt haben sich traditionell vorrangig um die Opfer gekümmert. Der Wendepunkt will darüber hinaus ein Hauptaugenmerk auf die Prävention von Übergriffen legen und ist durch die langjährige Arbeit mit jugendlichen Tätern inzwischen bundesweit fachlich anerkannt.

Mittlerweile bietet der Wendepunkt im Auftrag des Landkreises Pinneberg und einzelner Städte und Gemeinden Gewaltprävention an Kitas und Schulen an, führt im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein traumapädagogische Fortbildungen für ErzieherInnen durch, bietet ebenfalls im Auftrag des Landes Männerberatung an, führt regelmäßig Fachtagungen durch und hat mit dem WFZ ein Fortbildungszentrum geschaffen, dass auch von Fachkräften aus anderen Bundesländern genutzt wird.

2013 baut der Wendepunkt gemeinsam mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Regiokliniken Elmshorn die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz auf. Mit dem interdisziplinären Ansatz des niedrigschwelligen Hilfsangebots hat der Verein ein weiteres Mal einen richtungsweisenden Schritt unternommen. Die enorme Nachfrage und hohe Anerkennung durch Fachkräfte zeigen, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist. In diesem Jahr bekam die Trauma-Ambulanz den renommierten Sparda Bank Award verliehen und errang den ersten Platz beim Jurypreis in der Kategorie „Soziale Projekte“. Dennoch muss der Verein nach wie vor jedes Jahr aufs Neue um die Finanzierung der Trauma-Ambulanz kämpfen.

Seit Gründung hat der Wendepunkt in 12 696 Fällen Hilfe geleistet, hat knapp 1800 Unterrichtsprojekte, 617 Elternabende und 959 Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt.

Die Arbeit des Wendepunktes wird durch öffentliche Mittel aus dem Land Schleswig-Holstein, dem Hamburger Senat, dem Kreis Pinneberg und einzelnen Städten und Gemeinden finanziert und durch Spenden von Stiftungen, Vereinen, Firmen und Privatpersonen unterstützt.

Für Kohlschmitt ist der Rückzug aus dem Wendepunkt ein großer Schritt. Wer sie kennt, weiß, dass es sicher kein Abschied in den Ruhestand ist – dass sie sich andere Aufgaben suchen wird.

tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/0G7A5042 (1).jpg„Ingrid wird uns fehlen. Sie hat den Wendepunkt aufgebaut und zu dem entwickelt, was er heute ist: ein landesweit anerkannter Verein mit vielen gesellschaftlich wichtigen Arbeitsbereichen und Tätigkeitsfeldern“, so ihr Nachfolger Jacobsen. „Ich gehe mit großem Respekt und gleichzeitig ganz viel Freude an diese neue Aufgabe.“

Die stellvertretende Kreistagspräsidentin Schäfer-Manietzki, die die Arbeit von Ingrid Kohlschmitt und dem gesamten Team des Wendepunktes lobte, ist sich sicher, „dass es auch zukünftig innovative Konzepte beim Wendepunkt geben wird.“

Eine freudige Überraschung präsentierte auf der Feier der langjährige Wendepunkt-Unterstützer Rolf Heidenberger von „Appen musiziert“: 10.000 Euro für präventive Arbeit in Pinneberg.

21/11/18 Wie kann traumatisierten Menschen geholfen werden

Ärzte, Therapeuten, Pädagogen und andere Fachkräfte diskutieren auf Interdisziplinärer Traumafachtagung in Elmshorn

Zum sechsten Mal in Folge fand in Elmshorn der Interdisziplinäre Traumafachtag, der sich längst über den Kreis Pinneberg hinaus einen Namen gemacht hat, statt. Knapp 180 Fachkräfte kamen, um Vorträge über aktuelle Konzepte in Therapie, Prävention und Intervention nach traumatischen Ereignissen zu verfolgen und an Workshops teilzunehmen. In diesem Jahr erstreckte sich das Angebot, zu dem wieder die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz des Wendepunkt e.V. und der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Regio-Kliniken eingeladen hatten, erstmalig über zwei Tage. So hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich zusätzlich vertiefend mit einem Themenschwerpunkt auseinanderzusetzen.

InfostandOb Gewalterfahrungen, der Tod eines Familienmitglieds, ein schwerer Unfall, permanente Demütigungen oder Vernachlässigung, lebensbedrohliche Erkrankungen oder das Miterleben von Krieg und Flucht – solche Erlebnisse können zu akuten Belastungsstörungen führen und schwere Folgestörungen nach sich ziehen. Die Betroffenen verlieren Teile ihrer Kompetenzen und können die Gefühle nicht verarbeiten. Es ist wichtig, dass Betroffene möglichst schnell Hilfe bekommen. Im akuten Fall kann ein Gespräch schon eine erste Hilfe sein. „Wir werden bei Notfällen von der Polizei oder den Rettungskräften gerufen, um mit einzelnen Betroffenen oder ganzen Familien zu reden“, erzählt Referent Godeke Klinge, dessen Pädagogische Initiative Lüneburg Erste Hilfe bei traumatischen Ereignissen bietet.

„Aber Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, sind häufig auch mit Scham- und Schuldgefühlen belastet, und haben deshalb Schwierigkeiten, sich Hilfe zu suchen“, weiß Referentin Iris Hannig-Pasewald von der Opferhilfe Hamburg. Da sind niedrigschwellige Angebote wie zum Beispiel die Opferhilfe in Hamburg oder die Trauma-Ambulanz in Elmshorn besonders wichtig.

VortragReferentin Janine Borowski von der Uniklinik Hamburg Eppendorf stellte ein Therapieprogramm zur Behandlung der Folgen von sexueller und körperlicher Gewalt in der Kindheit vor. „Zunächst werden die Betroffenen stabilisiert und ihre Ressourcen werden wiederaufgebaut. In dem zweiten Behandlungsschritt wird sich dann konfrontativ mit dem traumatischen Ereignis auseinandergesetzt“, so Borowski. Gerade Kindern und Jugendlichen muss bei der Verarbeitung von traumatischen Ereignissen geholfen werden. „Wenn Kinder traumatische Erfahrungen machen, dann kann das Folgen bis in Erwachsenen-Alter haben. Die Erfahrungen werden in Persönlichkeits-Anteilen mitgetragen“, erklärt Kristina Lühr, Referentin von der Opferhilfe Hamburg. Oft werden die Gefühle, die mit den traumatischen Erfahrungen verbunden sind, abgespalten. „Wenn die Erinnerung daran dann getriggert, also wieder ausgelöst wird, stülpt sich die Erfahrung der Jetzt-Zeit über“, ergänzt Hannig-Pasewald.

Deshalb ist es wichtig zu erkennen, wenn Kinder Hilfe brauchen. Manche Kinder ziehen sich komplett zurück, andere werden aggressiv – da sind dann die Pädagogen, die mit den Kindern zu tun haben, gefordert. „Lehrer brauchen traumapädagogische Qualifizierungen, damit sie sensibel für mögliche Anzeichen sind und gegebenenfalls intervenieren können“, fordert Referent Dr. Matthias Schirmer, Förderschullehrer und Traumafachberater aus Leipzig. In Schleswig-Holstein bietet unter anderem der Wendepunkt traumapädagogische Fortbildungen für Erzieher in Kitas und Lehrkräfte an. „Alle gesellschaftlichen Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, sind hier gefordert“, so Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunktes. Denn traumatherapeutische und traumapädagogische Arbeit sei auch präventive Arbeit. „Wenn Kinder zum Beispiel häusliche Gewalt miterleben müssen, dann besteht ein großes Risiko, dass diese Erfahrung und die erlernten Verhaltensweisen in die nächste Generation weitergetragen werden, dass diese Kinder später selbst übergriffig werden oder sich ihr Leben lang in eine Opferrolle fügen.“ Die aktuellen Zahlen zur Häuslichen Gewalt zeigen deutlich, dass immer noch in viel zu vielen Familien Gewalt zum Alltag gehört. „Gerade in diesem Bereich ist es wichtig, nicht nur Hilfestellung für die betroffenen Erwachsenen zu schaffen. Auch die Kinder in diesen Familien brauchen schnelle und wirkungsvolle Hilfsangebote, damit der generationsübergreifende Kreislauf von Gewalt und Traumatisierung endlich unterbrochen werden kann“, so Kohlschmitt.

Gruppenfoto Wendepunkt Mitarbeiter und Gast-Referenten
Gruppenfoto Wendepunkt Mitarbeiter und Gast-Referenten – von links nach rechts:

Vorne:
Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunktes
Iris Hannig-Pasewald, Fachärztin für Psychiatrie von der Opferhilfe Hamburg

Stehend:
Dirk Jacobsen, Leiter der Trauma-Ambulanz des Wendepunktes
Sophie Firle, Wendepunkt
Dr. Matthias Schirmer, Förderschullehrer und Traumafachberater
Kristina Lühr, Psychologische Psychotherapeutin von der Opferhilfe Hamburg
Godeke Klinge, Dipl.-Soz. Pädagoge von der Pädagogischen Initiative Lüneburg
Janine Borowski, Dipl.-Psychologin von der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf

12/11/18 Mehr Bewusstsein für Gefahren im Internet

Quickborner Aktionswoche zu den Themen Sexting und Cyber-Grooming

Kinder und Jugendliche wachsen heute ganz selbstverständlich mit Computer, Smartphone und Internet auf - die digitale Kommunikation über soziale Netzwerke und Chatrooms ist für sie Alltag. Dabei wird auch Persönliches und sogar Intimes online ausgetauscht. Das digitale Verbreiten von Nacktbildern oder sogar Videos wird als „Sexting“ bezeichnet. Dabei sind den Jugendlichen die damit verbundenen Gefahren oft gar nicht bewusst. Was passiert, wenn Vertrauen missbraucht wird – und intime Bilder weitergeleitet werden?

Und welche Gefahren lauern im Internet durch Erwachsene, die sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen erschleichen, um sie online oder in der Realität zu sexuellen Handlungen zu bringen und zu missbrauchen? Dies als Cybergrooming bezeichnete Vorgehen stellt einen großen Vertrauensmissbrauch dar.

Um diese Themen ging es in der Aktionswoche in Quickborn, die der Wendepunkt e.V. in Kooperation mit der Stadtjugendpflege Quickborn und dem Kinderhilfswerk Quickborn durchgeführt hat.

Dazu fanden in allen 8. Klassen der Comenius-Schule Projekte statt – vier Stunden pro Klasse unter der Leitung von jeweils zwei Wendepunkt-Mitarbeiterinnen und –mitarbeitern an fünf verschiedenen Tagen. Dadurch wurden fast 100 Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren über diese Themen informiert. Ziel war es, ein Bewusstsein für mögliche Grenzüberschreitungen zu schaffen und so vorbeugend Schutz zu bieten. Darüber hinaus haben die Jugendlichen gemeinsam mit den MitarbeiterInnen des Wendepunkt e.V. sinnvolle Verhaltensweisen erarbeitet, um sich auch in einer akuten Situation angemessen verhalten zu können. Welche Regeln können die Jugendlichen befolgen, um Sexting sicherer zu machen? Wie sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen? Welche Warnsignale gibt es für die Kommunikation in Chatsrooms? „Es geht darum, die Jugendlichen über mögliche Gefahren und Konsequenzen ihrer digitalen Kommunikation aufzuklären. Die waren vielen Schülern, die an dem Projekt teilgenommen haben, nicht bewusst. Unsere Arbeit soll möglichst präventiv ansetzen“, so Hendrix Bölle, Sozialpädagoge beim Wendepunkt.

Neben den Schulprojekten wurden auch eine Fortbildung für pädagogische Fachkräfte und ein Elternabend angeboten.

Die kostenlose Fortbildung richtete sich an alle pädagogisch tätigen Personen in Schulen und Jugendeinrichtungen aus Quickborn. Hier ging es um die Schaffung eines Bewusstseins für die beiden Themen und die Erarbeitung präventiver Handlungsmöglichkeiten – sowie Verhaltens- und Interventionsmöglichkeiten für den Akutfall. Es ging auch um die Frage, was den Reiz zur Intimkommunikation für die Jugendlichen ausmacht, um Scham- und Schuldfragen und die Verantwortung der Schulen und anderer pädagogischer Fachkräfte. Da sich Jugendliche gerade bei solchen Themen manchmal nicht ihren Eltern anvertrauen wollen, benötigen sie andere vertrauensvolle Erwachsene und Anlaufstellen.

Der Elternabend richtete sich an die Eltern aller weiterführenden Schulen in Quickborn. Die Eltern sind wichtige Ansprechpartner für ihre Kinder – sie benötigen bei diesen Themen Hintergrundinformationen, Sensibilität und auch Verständnis. Es wurden Wege aufgezeigt, wie Eltern konstruktiv und förderlich ihre Rolle als Erziehungsberechtigte in Bezug zu den Themen ausfüllen können. Sie müssen die Bedürfnisse und Reize der Jugendlichen verstehen und sich immer bewusstmachen, dass die Jugendlichen bei einem Kontakt mit einem Erwachsenen keine Schuld trifft.

Zum ersten Mal wurde eine derartige Aktionswoche zu diesen Schwerpunktthemen durchgeführt. Hendrix Bölle ist sich sicher, dass die Informationen die Schüler nachdenklich gestimmt haben. „Im Anschluss an die Projekte haben wir auch Gespräche mit den jeweiligen Klassenlehrern durchgeführt. Damit sie wissen, welche Themenbereiche immer mal wieder in den Unterricht aufgenommen werden sollten, um die Schüler auch langfristig zu sensibilisieren.“

17/09/18 „Habibi“ - Unser „Lieblings-Baum“

DaZ-Schüler basteln im Wendepunkt einen Phantasiebaum

Angebot zur Interkulturellen Woche

interk.Wo.(1)„Habibi“ bedeutet im Arabischen so viel wie „Liebling“, aber auch „Freund“. Diesen Namen haben sich die 17 Schülerinnen und Schüler der DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) der Anne-Frank-Schule für ihren Baum ausgesucht. „Unser phantastischer Baum“ – so hieß das Angebot des Wendepunktes zur Interkulturellen Woche.

Die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren haben mit uns die Blätter für den Baum selbst gebastelt und verziert. Mit bunten Steinen, viel Farbe, Federn, Herzchen – aber auch traurigen Smileys. Die Mädchen und Jungen sollten dabei ihre eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle einarbeiten.

interk.Wo.(2)Die 13jährige Maha aus dem Irak hätte den Baum deshalb auch lieber „Verletzte Blätter“ genannt. „Weil wir im Krieg gelebt haben und wissen, wie das ist,“ sagt sie. Die 14jährige Nivin aus Syrien stimmt ihr zu: „Verletzt – so fühlen wir uns.“ Sie finden den Baum aber sehr schön und bunt, weshalb sie mit dem Namen „Habibi“ auch einverstanden sind.
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Die Kinder und Jugendlichen kommen aus 9 verschiedenen Nationen. Zwei Sprachmittler halfen beim gemeinsamen Austausch – und übersetzten die Geschichte von dem Baum, der erst ganz unglücklich über seinen Standort ist. Doch schließlich versteht er, dass er alleine an genau diesen Platz passt – weil er so ist, wie er ist.

„Künstlerisch zu arbeiten ist für viele dieser Kinder sehr ungewöhnlich, eine neue Erfahrung. Hier haben sie mit dem Baum ein positives, schönes Ergebnis“, meint DaZ-Lehrerin Frau Förster.

Am Nachmittag gab es inspiriert durch das Projekt noch ein Fachgespräch zu den Wünschen und Bedürfnissen von Kindern mit Fluchterfahrungen, um gemeinsame Ideen für die Arbeit zu entwickeln. Herr Dr. Akgün, DaZ-Koordinator, hat den Bedarf der kommenden Jahre aufgeschlüsselt. Die Zahlen der Schüler in DaZ-Klassen gehe zwar zurück, die Zahl der SchülerInnen mit DaZ-Förderbedarf in den Regelklassen würde aber dementsprechend rasant ansteigen. Frau Schmeleva von der Brücke Elmshorn verwies hierzu nochmal auf den Bedarf nach Sprach- aber eben auch nach Kulturmittlung.

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17/09/18 Wendepunkt e.V. gewinnt renommierten Sparda Bank Hamburg Award

Erster Platz beim Jurypreis in der Kategorie „Soziale Projekte“

Projekt der Interdisziplinären Trauma-Ambulanz erhält 5500 Euro

Hamburg/Elmshorn. „Sie leisten unverzichtbare Arbeit für unsere Gesellschaft – die Trauma-Ambulanz ist ein sehr unterstützenswertes Projekt.“ Mit diesen Worten überreichte Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration und Schirmherrin des Sparda-Bank Hamburg Awards den Preis an Dirk Jacobsen, Leiter der Trauma-Ambulanz.

Sparda Bank AwardEine Fachjury hat in den drei Kategorien Soziale Projekte, Umweltschutz und Sport jeweils fünf Projekte ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung Montagabend im Ernst Deutsch Theater Hamburg wurden die ausgewählten Projekte vorgestellt und die jeweiligen Platzierungen verkündet.

Die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz des Wendepunkt e.V. wurde mit dem ersten Preis in der Kategorie „Soziale Projekte“ ausgezeichnet und erhält 5500 Euro. Mit dieser Fördersumme kann etwa sieben akut traumatisierten Kindern oder Jugendlichen und ihrem sozialen Umfeld geholfen werden. In Einzelsitzungen mit den speziell im Bereich Traumaarbeit ausgebildeten Fachkräften lernen die jungen Menschen, sich mit ihren sehr belastenden Lebensereignissen auseinanderzusetzen. Ihre Ressourcen sollen stabilisiert werden, und sie sollen Möglichkeiten an die Hand bekommen, mit ihren Emotionen, die sie in Folge der traumatischen Erfahrung schlecht regulieren können, besser umzugehen.

Dirk Jacobsen vom Wendepunkt nahm den Preis gerührt entgegen. „Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen dringend unsere Hilfe. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir nicht nur mit dem Geld unterstützt werden, sondern dass durch diese Preisverleihung unsere Arbeit und das umfangreiche, tolle Engagement aller anderen ausgezeichneten Organisationen und Vereine Wertschätzung erfährt.“

Sparda Bank Award (2)Ein Punkt, den auch Sozialsenatorin Leonhard in ihrer Rede hervorhob. Der Sparda Bank Award mache auf wichtige Arbeit aufmerksam, die sonst oft unsichtbar bleibe, aber doch so elementar für unsere Gesellschaft sei. Die Genossenschaftsbank hat den Preis zum vierten Mal in Folge verliehen, und will damit gemeinnützige Projekte in der Region fördern. Insgesamt wurden 115 000 Euro vergeben – über eine Online-Abstimmung wurden zusätzlich Publikumspreise verliehen. Der Abend, durch den Schauspieler und Moderator Yared Dibaba führte, war oft sehr emotional, wenn die einzelnen Projekte aus den unterschiedlichsten Bereichen vorgestellt wurden und sich die Preisträger über die Unterstützung freuten. Stephan Liesegang, Vorstandsmitglied der Sparda-Bank Hamburg eG sprach in seinem abschließenden Resümee von „magischen Momenten“.

Wie schon im vergangenen Jahr haben sich auch bisher in 2018 viele Menschen hilfesuchend an die Trauma-Ambulanz gewandt. Die öffentlichen Mittel reichen leider bei Weitem nicht aus, um allen Kindern und Jugendlichen zu helfen - es gibt eine große Finanzierungslücke. Die Trauma-Ambulanz ist deshalb dringend auf Spenden angewiesen. "Wir würden uns sehr wünschen, dass unsere Arbeit durch eine ausreichende Regelfinanzierung abgesichert wäre," so Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunkts. "Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung durch den Sparda Bank Hamburg Award. Das Geld hilft uns, die Arbeit für mehr Kinder sicherzustellen."

16/09/18 Benefizkonzert der Chorknaben Uetersen war ein voller Erfolg

Knapp 1.400 Euro Spenden für die Trauma-Ambulanz

Es war ein sehr abwechslungsreiches Programm, das die Chorknaben Uetersen in der Thomaskirche in Elmshorn zum Besten gaben. Von klassischer geistlicher Chormusik aus 400 Jahren Musikgeschichte bis hin zu Ausschnitten aus dem neuesten Projekt des Knabenchors. Der lettische Komponist Ugis Praulins hat ein geistliches Ovatorium eigens für den Uetersener Chor geschrieben – in Zusammenarbeit mit einer Rockband. Somit begleiteten zum Teil ungewohnte Klänge vom Band die Chormitglieder im Alter von 9 bis 23 Jahren.

Mit ca. 190 Besuchern waren die Kirchenbänke gut besetzt. Insgesamt wurden knapp 1.400 Euro für unsere Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz gespendet! Wir möchten uns gerne ganz herzlich bei allen Beteiligten, Organisatoren und Unterstützern bedanken! Das Geld kommt direkt unserer Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zugute.

Wir wünschen dem Uetersener Knabenchor eine tolle Konzertreise durch Dänemark und Schweden und viel Erfolg bei der Veröffentlichung der neuen CD mit der Rockband, die im November herauskommen wird. Vielen Dank für euer Engagement!

07/18 Was bedeutet Traumapädgogik in der frühen Kindheit?

Wir freuen uns, dass die Arbeit von TiK-SH in der neuesten Ausgabe der Kita Aktuell ND vorgestellt wird.

06/07/18 Kunsttherapie für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen

Schüler basteln eine „Schatzkiste“

Die Schülerinnen und Schüler der „DaZ“-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) der Helene-Lange-Grundschule in Pinneberg waren jedes Mal voller Konzentration in die kreative Arbeit vertieft. 2 Monate lang haben sie in einem Gemeinschaftsprojekt der Kinder- und Jungendpsychiatrie Elmshorn und dem Wendepunkt unter der Anleitung von zwei Kunsttherapeutinnen einmal die Woche an einer ganz persönlichen Schatzkiste gebastelt. Dabei konnten sie erfahren, sich jenseits der Sprachgrenzen auszudrücken, und sie haben sich selbst im gestalterischen Prozess als handelnd und produktiv erlebt.

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Gerade problembelastete Kinder und Jugendliche profitieren von der besonderen Weise der kreativen Arbeit, eigene Potenziale und Fähigkeiten herauszustellen, und machen dabei ressourcenstärkende und stabilisierende Erfahrungen.

Die 13 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 8 und 11 Jahren stammen aus Syrien, Jemen, Ägypten, dem Iran und Polen. Einige von ihnen haben noch große Verständigungsprobleme, da sie erst vor Kurzem in Deutschland angekommen sind. Für die meisten von ihnen war der künstlerische Prozess eine völlig neue Erfahrung – Kunstunterricht kannten sie nicht aus ihren Heimatländern. Die Kinder haben bereits stark prägende Erlebnisse erfahren müssen: Die zur Flucht bewegenden Umstände in ihrer Herkunft, der Fluchtweg, aber auch das Ankommen in einem fremden Land. Erlebnisse, die meist nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen sind. Die Zeit für altersangemessene, kindliche Entwicklung blieb oft kaum. Die Lehrkräfte der DaZ-Klassen machen die Erfahrung, dass viele ihrer Schüler belastet sind und deshalb Schwierigkeiten haben, sich auf das Lernen zu konzentrieren.

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In der Arbeit an den Schatzkisten lernen die Schüler und Schülerinnen, sich mit ihrer eigenen Identität und ihren Ressourcen auseinanderzusetzen.

Die Kinder haben während des Kunstprojektes Glücksbringer aus Speckstein geschnitzt, Stempel mit persönlichen Symbolen erstellt und die Namen ihrer wichtigsten Bezugspersonen in kleine Herzen geritzt. Am Ende hat jedes Kind seine persönlichen „Schätze“ stolz mit nach Hause genommen. In einer gemeinsamen Abschlusssitzung haben die Kinder erzählt, dass ihnen die Arbeit an ihrem eigenen großen Körperbild besonders gut gefallen habe. Jedes Kind wurde gemeinsam mit seinem Selbstporträt fotografiert. Anschließend bekam das Foto einen selbstgebastelten und verzierten Rahmen und wurde schließlich ein Teil ihrer Schatzkiste.

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Mit einer kleinen Geschichte über Herzenswünsche ging das Projekt zu Ende. Zum Abschluss konnten die Kinder noch drei eigene Wünsche auf ein selbstgebasteltes Seifenblasen-Mobile schreiben.

 

16/04/18 Immer mehr Menschen suchen Hilfe beim Wendepunkt

Vorstellung des Tätigkeitsberichts für 2017

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anfragen wieder stark gestiegen – insgesamt haben wir 1019 Fälle bearbeitet, im Vorjahr waren es noch 870. Im Bereich unserer Interdisziplinären Trauma-Ambulanz ist dieser Anstieg am deutlichsten. Hier haben wir 240 Fälle bearbeitet – das ist eine Zunahme von knapp 60 % gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen noch 176 Fälle aus der Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch – auch in diesem Bereich gab es mehr Hilfeanfragen als im Vorjahr.

Die meisten Fälle bezogen sich auf Kinder und Jugendliche.

Wir freuen uns über das uns entgegengebrachte Vertrauen – aber die große Nachfrage hat auch zu deutlichen finanziellen Engpässen und schwierigen Entscheidungen geführt. So hat die Trauma-Ambulanz noch immer keine auskömmliche Finanzierung. Wenn gerade junge Menschen traumatische Erfahrungen machen mussten – sei es zum Beispiel ein Suizit in der Familie, oder Gewalterfahrungen, oder Kriegs- und Fluchterlebnisse, dann muss ihnen so schnell wie möglich geholfen werden. Mit Diagnostik und Screening, Krisenintervention und psychosozialer Beratung, Stabilisierung und Psychoedukation. An den Hilfeanfragen sehen wir, wie notwendig die Trauma-Ambulanz ist. Dennoch haben sich die Fraktionen, die derzeit für den Haushalt im Kreis Pinneberg verantwortlich sind, nicht dafür entscheiden können, unsere Einrichtung mit einem angemessenen Zuschuss auszustatten. Da wir uns entschieden haben, niemanden abzuweisen, der dringend unsere Hilfe benötigt, werden wir deshalb erstmalig ein Haushaltsjahr mit einem nennenswerten Defizit abschließen.

Insgesamt konnten wir 2017 wieder viele Fachkräfte bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen. Im Rahmen eines großen traumapädagogischen Programms des Landes Schleswig-Holstein für Kindertagesstätten und Familienzentren bietet der Wendepunkt Fortbildungen, Beratungen und Supervision an. Im vergangenen Jahr wurden 900 Mitarbeiter/innen aus Kitas fortgebildet und 200 Erzieherinnen und Erzieher haben Beratungen in Anspruch genommen. Die Resonanz ist sehr poritiv – die pädagogischen Fachkräfte berichten, wie sehr ihnen die Auseinandersetzung mit den Mitteln der Traumapädagogik bei ihrer täglichen Arbeit hilft.

Über Präventionsmaßnahmen an Schulen und Unterrichtsprojekte haben wir etwa 3.500 Schüler/innen erreicht, knapp 500 Eltern haben an Elternabenden zu verschiedenen Schwerpunkten teilgenommen, und über Fortbildungsmaßnahmen im Rahmen vom WFZ, über die Ambulante Rückfallprophylaxe und im Bereich der Sexualpädagogik haben wir weitere 1.800 Fachkräfte erreicht.

Bedauerlicherweise haben sich die Fraktionen im Pinneberger Kreistag entschieden, ab 2018 keine sexualpädagogischen Maßnahmen mehr zu fördern – eine aus unserer Sicht vollkommen unverständliche und fachlich falsche Entscheidung. Der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die Schulen zu präventiver Arbeit aufgefordert. Die Kinder und Jugendlichen werden heute durch das Internet und die sozialen Medien mit sexuellen Informationen überfrachtet und sind mit den Bildern und Klischees oft vollkommen überfordert. Gleichzeitig müssen sich zunehmend Menschen aus anderen Kulturen mit unseren sexuellen Normen auseinandersetzen. Sexualpädagogische Maßnahmen unterstützen die sexuelle Selbstbestimmung, sie fördern Verantwortungsbewusstsein und dienen der Prävention von sexuellem Missbrauch. Da uns in diesem Bereich weiterhin viele Anfragen erreichen, haben wir ein spezielles Programm für Fachkräfte, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen zusammengestellt – wir bieten Beratungen, Fortbildungen und Unterrichtsprojekte zu den unterschiedlichsten Themenbereichen an.  Die Kosten dafür müssen die Einrichtungen aufgrund dieser schwer nachvollziehbaren Entscheidung des Kreistages aber zukünftig selbst tragen.

23/03/18 Viel Zustimmung, Lob und Unterstützung

Fachtag zum 10jährigen Jubiläum der Hamburger Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene

In ihrer Rede betonte die Senatorin für Arbeit, Soziales und Integration, Dr. Melanie Leonhard, die große Bedeutung der Arbeit der Beratungsstelle für den weiteren Lebensweg der Jugendlichen. Den jungen Menschen, die sexuell grenzverletzendes oder sogar übergriffiges Verhalten gezeigt haben, könnten andere Wege aufgezeigt werden, weshalb diese Arbeit gleichzeitig elementar für den Opferschutz sei. Im Bürgerhaus Wilhelmsburg bedankte sich Frau Leonhard für die Zusammenarbeit und die Unterstützung der verschiedenen Institutionen in Hamburg durch den Wendepunkt und wünschte allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg.

Rita Steffes-enn von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit sexualisiert grenzverletzendem Verhalten e.V. betonte das Recht dieser jungen Menschen auf Hilfe. In den zurückliegenden Jahren habe dieser Arbeitsbereich eine große Entwicklung und Professionalisierung erfahren. Bernd Priebe, Leiter der Beratungsstelle des Wendepunkts, habe dazu einen großen Beitrag geleistet.

Wera Ellen Auras vom Zündfunke e.V. und der NEXUS-Arbeitsgemeinschaft betonte vor allem die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Wendepunkt für die Verbesserung des Kinderschutzes in Hamburg. „Wir sind froh, dass es euch gibt. Dass ihr es jeden Tag auf euch nehmt, diese schwere Arbeit zu leisten,“ so Auras.

Bernd Priebe und seine MitarbeiterInnen Nicole Krampe und Karl-Sören Michaelis hielten anschließend einen Vortrag über ihre Arbeit – über das Angebot der Beratungsstelle, die Arbeitsweise, die Ziele und Erfahrungen, und die Wünsche für die Zukunft.

Im Anschluss boten noch zwei Fachvorträge Diskussionsanstöße. Die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal reflektierte über Geschlechterstereotypen und Kommunikationsmechanismen im Umgang mit sexualisierter Gewalt. Arne Dekker, Juniorprofessor für Sexualwissenschaft und präventive Internetforschung am UKE, hielt einen Vortrag zum medialen Generationenverhältnis als Herausforderung für die Prävention sexueller Gewalt.

Bei Buffet und Musik fand dann noch ein reger Austausch über die verschiedenen Themen statt. Das allgemeine Fazit über die Arbeit der Beratungsstelle: Weiter so!

21/03/18 10 jähriges Jubiläum der Hamburger Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene

Beratungsangebot mit bundesweiter Vorbildfunktion

„Arbeit mit Tätern ist vorrangig Opferschutz“, betont Bernd Priebe, Leiter der Hamburger Beratungsstelle. „Wir wollen, dass sexuell auffällige und übergriffige junge Menschen verstehen, welche Folgen ihre Taten haben. Und dass sie Empathie für ihre Opfer entwickeln. Das ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch“.

Vor 10 Jahren wurde die Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene bis 26 Jahre gegründet – finanziert vom Hamburger Senat. Damit ist sie eine der ganz wenigen regelfinanzierten Beratungsstellen dieser Art im gesamten Bundesgebiet. Die Arbeit der zurückliegenden Jahre zeigt: der Bedarf ist groß. Bundesweit ist unter denjenigen, die sexuelle Grenzverletzungen begehen, der Anteil der Kinder und Jugendlichen erschreckend hoch: Rund 24 % aller Tatverdächtigen in diesem Deliktbereich sind unter 21 Jahre alt.

Die Beratungsstelle ist Ansprechpartner für Eltern, Schulen und Jugendämter sowie die Jugendgerichtshilfe. Die Fälle sind sehr unterschiedlich und reichen von auffälligem Verhalten bis zu massiven Übergriffen, nach denen bereits ein Strafverfahren eingeleitet wurde.

Da ist zum Beispiel der 15jährige Alexander (Name geändert), der nach der Trennung von seiner Freundin Nacktfotos, die sie ihm geschickt hatte, ins Netz gestellt hat. Hier hat die Schule Hilfe gesucht, weil das ganze Klassenklima schwierig wurde. Die Mehrheit der Mitschülerinnen und Mitschüler sah zumindest eine Mitschuld bei dem Mädchen (´Die Schlampe hat sich das selbst zuzuschreiben´). Auch in Zeiten der „#MeToo“-Debatte werden Geschlechterklischees oft unreflektiert übernommen. In diesem Fall wurde mit der ganzen Klasse gearbeitet und über Grenzverletzungen und Rollenklischees diskutiert.  Überhaupt sind sexuelle Grenzverletzungen im Internet und den sozialen Netzwerken keine Seltenheit und stellen eine besondere Herausforderung für Pädagogen und Eltern dar.

Aber es kommt auch immer wieder zu tätlichen sexuellen Übergriffen. Der 19jährige Luca (Name geändert) hat eine 16jährige Mitschülerin auf einer Party betrunken gemacht und anschließend vergewaltigt. Luca ist bereits wegen anderer Bagatelldelikte aufgefallen und ist alkoholabhängig. In seinem Fall hat sich die Jugendgerichtshilfe an den Wendepunkt gewandt.

Hier geht es um die Frage, wie Eltern und Schulen mit übergriffigen jungen Menschen umgehen. Der Opferschutz hat dabei absoluten Vorrang.

Aber so wie Taten nicht bagatellisiert werden dürfen, sollten sie auch nicht unnötig skandalisiert werden. „Eine Kindertagesstättenleitung hat sich an uns gewandt mit den Worten ´wir haben hier einen kleinen Triebtäter´“, erzählt Bernd Priebe. „Eine Fachberatung kann dabei helfen, Verhalten einzuordnen und Stigmatisierungen zu vermeiden. Zu gucken, was ist zum Beispiel altersgerechte Neugierde. Oder was sind die möglichen Ursachen für ein sexuell übergriffiges Verhalten? Ahmt das Kind etwas nach, was es womöglich zuhause erlebt?“

Für Betroffene von sexuellen Übergriffen gibt es zum Glück vielfältige Hilfeangebote. „Diese Beratungsstellen sollten jedoch zumindest räumlich von denen für sexuell Übergriffige getrennt sein. Wir halten es auch für sinnvoll, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entweder in dem einen oder aber in dem anderen Bereich einzusetzen, um Loyalitätskonflikte zu vermeiden“, so Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunkt e.V., der ein breites Spektrum an Aufgaben abdeckt und unter anderem Träger der Hamburger Beratungsstelle ist. Der Wendepunkt mit Sitz in Elmshorn setzt sich seit 25 Jahren für einen respektvollen und gewaltfreien Umgang in Erziehung, Partnerschaft und Sexualität ein. „Es ist wichtig, dass es auch Beratungsstellen für Täter gibt, um ihnen eine zweite Chance und angemessene Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Der Wendepunkt hat seine Wurzeln in der Beratung gegen sexuellen Missbrauch und arbeitet dort strikt an der Seite der Betroffenen. Zum Schutz der Opfer müssen wir aber auch auf der anderen Seite handeln - das ist elementar für die Präventionsarbeit.“ Der Wendepunkt bietet schon seit 2001 Täterberatung an.

In die Beratungsstelle kommen auch viele Familien, bei denen es sexuelle Übergriffe unter Geschwistern gegeben hat. „Ein solches Geschehen hat das Potential, die ganze Familie zu sprengen“, weiß Bernd Priebe. „Es braucht jemanden von außerhalb, der der Familie helfen kann, die Ereignisse aufzuarbeiten. Gerade wenn es Opfer und Täter unter den Geschwistern gibt, ist es unheimlich schwierig, damit als Familie umzugehen.“

In der Arbeit mit sexuell auffälligen jungen Menschen werden die begangenen Taten und Übergriffe verurteilt. Aber den jungen Menschen muss auch eine Perspektive geboten werden. „Wenn wir einen Zugang zu den jungen Tätern erreichen und mit ihnen arbeiten, dann bekommen wir häufig das Feedback: ´Die verurteilen hier meine Tat, aber sie verurteilen nicht mich´. Dieses Gefühl ermöglicht es ihnen, sich mit ihrer Tat überhaupt erstmal auseinanderzusetzen“, erklärt Bernd Priebe. „Das ist dann der erste Schritt zur Rückfallprophylaxe.“

Neben der Beratung für auffällig gewordene Jugendliche und der pädagogisch-therapeutischen Intervention für Täter bietet die Hamburger Beratungsstelle auch Fachberatung für pädagogische Fachkräfte – von Kindergärten und Schulen hin zu Jugendzentren, Jugendfeuerwehren und Sportvereinen.

19/03/18 Sendung im Deutschlandfunk über die Arbeit des Wendepunkt e.V.

Die Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene hat 10jähriges Jubiläum - hier der link zu der Sendung "Eine Stunde Liebe" mit Moderator Till Opitz:
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/therapie-fuer-sexuell-uebergriffige-jugendliche

 

19/03/18 Stark gegen sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen

Beratungsangebote des Wendepunkt e.V. helfen Betroffenen und Fachkräften

Wo hören Doktorspiele auf, und ab wann wird aus sexuellen Handlungen zwischen Kindern übergriffiges Verhalten? Wie sollen sich Pädagogen verhalten, wenn sie von sexuellen Übergriffen unter Jugendlichen erfahren? Wie können Betroffene geschützt und gestärkt werden, und welche Maßnahmen können übergriffigen Kindern und Jugendlichen helfen, ihr Verhalten zu ändern? Mit diesen Fragen beschäftigen sich zwei neue Flyer der „Aktion Jugendschutz“. Der Wendepunkt verschickt zurzeit die Broschüren an insgesamt knapp 80 Grundschulen und weiterführenden Schulen im Kreis Pinneberg.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen sind keine Seltenheit, so Dirk Jacobsen, Dipl.-Psychologe beim Wendepunkt. „Unter jüngeren Kindern spielt dabei eine Rolle, dass Kinder neugierig sind und zum Teil ihre Impulse noch nicht kontrollieren können“, so Jacobsen. „Die Entdeckung von Sinneswahrnehmungen ist völlig normal, das darf auch nicht tabuisiert werden. Es wird aber zum Beispiel ganz klar eine Grenze überschritten, wenn sexuelle Handlungen durch ein Kind erzwungen werden.“ Auch schon in diesem Alter wird sexualisierte Gewalt eingesetzt, um zu demütigen und zu dominieren. Manche Kinder und Jugendlichen haben auch selbst sexuelle Übergriffe und Missbrauch durch Ältere oder Erwachsene erfahren und geben ihre Erfahrungen jetzt weiter.

Es ist wichtig, mit sexuellen Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen richtig umzugehen, um ihnen eine sexuelle Entwicklung ohne Gewalterfahrung zu ermöglichen. Der Opferschutz hat dabei absoluten Vorrang. Eltern und pädagogische Fachkräfte können durch Wertevermittlung, klare Grenzen und offene Sexualaufklärung einen großen Beitrag leisten. Kinder und Jugendliche müssen darin gestärkt werden, ihre Grenzen klar zu benennen, und sie müssen wissen, wer ihnen hilft, wenn ihre Grenzen verletzt worden sind. Einrichtungen sollten ein klares sexualpädagogisches Konzept haben.

„Ebenso benötigen übergriffige Kinder und jugendliche Täterinnen und Täter gezielte Hilfe, um Rückfälle in weiteres grenzverletzendes Verhalten zu verhindern – das ist elementar für die Prävention von sexuellem Missbrauch“, so Jacobsen.

Der Wendepunkt bietet zu diesem Thema umfangreiche Beratungsangebote, Präventionsprojekte und Fortbildungen an. An einigen Schulen führen die Fachkräfte des Wendepunktes seit einigen Jahren spezielle Projekte zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch durch. Hier gibt es aber keine Regelfinanzierung, weshalb die Schulen auf Zuschüsse durch Städte und Gemeinden angewiesen sind. Da den Wendepunkt mehr Anfragen aus Kindertagesstätten und Schulen erreichen, als mit diesen Zuschüssen bearbeitet werden können, werden zusätzliche Spendenmittel benötigt.

06/03/18 Wendepunkt begrüßt das neue Präventionsgesetz der Nordkirche

Kirchenrechtliche Maßnahmen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt

„Wir unterstützen die Entscheidung der Nordkirche, die Prävention und Intervention gegen sexualisierte Gewalt kirchenrechtlich zu verankern. Zum Schutz gerade von Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, dass sich Institutionen ihrer besonderen Verantwortung bewusst sind und ein klares Schutzkonzept aufstellen“, so Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunkt e.V.

Die Landessynode der Nordkirche hat auf ihrer Tagung das sogenannte Präventionsgesetz beschlossen. Dabei geht es um den Schutz vor sexualisierter Gewalt sowie um die Einrichtung von Verfahren und Strukturen mit dem Ziel, Gefährdungen oder übergriffiges Verhalten schnellstmöglich zu beenden.

Der Wendepunkt e.V. arbeitet seit vielen Jahren mit verschiedenen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Vereinen oder Jugendhilfeeinrichtungen und auch einzelnen Gemeinden zusammen, um gemeinsam Schutzkonzepte zur Prävention sexuellen Missbrauchs zu erarbeiten. „Da geht es um die Frage, welche besonderen Risiken gibt es gerade in pädagogischen Arbeitsfeldern und wie kann man verhindern, dass haupt- oder ehrenamtliche Mitarbeiter ihre Machtposition und Überlegenheit für sexuelle Übergriffe oder anderes Fehlverhalten missbrauchen?“, erklärt Dirk Jacobsen, Leiter der Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch des Wendepunkts. „Wir unterstützen Institutionen dabei, ein klares Interventionskonzept zu entwickeln, das im Falle eines Verdachts auf sexuellen Missbrauch schnell greift und die Opfer schützt. Dabei ist wichtig, dass in solchen Situationen Fachlichkeit und Besonnenheit vorherrschen.“

Die Aufdeckung zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen hat in den vergangenen Jahren viel öffentliches Aufsehen erregt. Im Umgang mit dem Thema gibt es viele Ängste, Unsicherheiten und auch Abwehrreaktionen. „Wir helfen Institutionen dabei, ein ethisches Leitbild zu entwickeln und Verhaltensregeln zu formulieren. Außerdem sollten Kinder und Jugendlichen beteiligt werden an den Prozessen, die sie selbst betreffen, damit vertrauensvoll und angemessen auf ihre Anliegen eingegangen werden kann“, so Jacobsen.

Neben der Prävention und Intervention steht in dem neuen Kirchengesetz auch die Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt im Fokus. Seit einigen Jahren gibt es dazu bereits die UNA – Unabhängige Ansprechstelle für Menschen, die in der Nordkirche sexuelle Übergriffe erlebt oder davon erfahren haben. Sie wurde im Auftrag der Nordkirche vom Wendepunkt ins Leben gerufen. Hierhin können sich Betroffene wenden, die einen Ansprechpartner außerhalb der Institution Kirche suchen.

„Wir würden uns wünschen, dass möglichst viele Institutionen dem Beispiel der Nordkirche folgen und fest verankern, was eigentlich selbstverständlich sein sollte“, betont Ingrid Kohlschmitt. „Ein klar definiertes Schutzkonzept hilft, Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen vorzubeugen und sichere Orte für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Ein solch einheitliches Konzept sollte zum Beispiel auch für die Schulen festgelegt werden.“

Im Fall eines sexuellen Übergriffes oder auch eines Verdachts können sich Betroffene und Institutionen an die kreisweit tätige Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch des Wendepunkts wenden und dort kostenlose Beratung in Anspruch nehmen.
beratungsstelle@wendepunkt-ev.de, 04121/475730

Unabhängige Ansprechstelle für Menschen, die in der Nordkirche sexuelle Übergriffe erfahren haben:
una@wendepunkt-ev.de, 0800-0220099 (kostenfrei)

04/02/18 Blues und Pop für einen guten Zweck

tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/Benefiz_ (1).jpgBenefizkonzert zugunsten des Wendepunkt e.V. war voller Erfolg

Knapp 150 zahlende Gäste waren in die Dittchenbühne gekommen, um die „Farmers Road Blues Band“ und die junge Newcomer-Band „Just in Time“ zu hören – und damit den Wendepunkt zu unterstützen. Das Fazit aller Beteiligten ist eindeutig: es war ein voller Erfolg!

Der Blues-Frühschoppen zugunsten des Wendepunktes hat eine jahrelange Tradition – nun wurde das Benefizkonzert nach fast zweijähriger Pause neu aufgelegt. Zum ersten Mal in dem besonderen Ambiente der Dittchenbühne, die einen passenden Rahmen für die beiden Bands bot. „Farmers Road“ engagiert sich bereits seit vielen Jahren für den Wendepunkt. Zum ersten Mal mit dabei: „Just in Time“, die 2016 zur besten Schülerband in tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/Benefiz_ (2).jpgElmshorn gekürt wurden und neben Cover-versionen bekannter Pop- und Rocksongs auch eigene Werke zum Besten gaben. Die Mischung ging auf – es war für jeden etwas dabei, und beide Bands schafften es, ihr Publikum mitzureißen. Sänger Ole Ruge von „Just in Time“ brachte das Publikum zum Mitsingen, die 76jährige (!) Gast-Sängerin Janice Harrington rockte bei ihrem Auftritt mit „Farmers Road“ die Bühne und bewies, dass Musik jung hält, und zum Abschluss gaben die beiden Bands noch einmal Alles in einer spontanen gemeinsamen Session.

tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/Benefiz_ (3).jpg„Es war eine richtig tolle Stimmung – das machen wir gerne wieder“, so das Fazit von Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunktes. Nach Abzug aller Kosten kamen ca. 2000,00 Euro an Einnahmen zusammen. Zusätzlich überreichte noch Ilse Mettjes, 1. Vorsitzende des AWO Ortsvereins Tornesch, eine Spende über 400,00 Euro. Wir freuen uns sehr, dass auch der AWO-Ortsverein die Arbeit des Wendepunktes unterstützen möchte! Denn einzelne Bereiche unserer Arbeit werden bedauerlicherweise nicht ausreichend durch öffentliche Mittel gefördert. So hat zum Beispiel gerade die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz mit einem erheblichen Defizit zu kämpfen. Die Anmeldezahlen von Kindern und Jugendlichen, die dringend Hilfe bei der Verarbeitung von traumatischen Erfahrungen und Erlebnissen benötigen, sind in 2017 noch einmal gestiegen – und zwar erheblich! Hinzu kommt, dass oft ganze Familien betroffen sind – zum Beispiel durch schwere Krankheiten, Fluchterfahrungen oder andere einschneidende Ereignisse. In allen Fällen ist es unverzichtbar, schnell und kompetent zu intervenieren – doch es fehlt an einer entsprechenden Finanzierungsgrundlage.

Daher hoffen wir neben dem vielen Zuspruch, den wir bei dem Konzert erhalten haben, auf weitere Spenden. Wer helfen möchte, kann hier spenden.

tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/Benefiz_ (4).jpgWir möchten uns nochmal ausdrücklich bei allen Helfern, Unterstützern und Spendern bedanken, die dieses tolle Konzert möglich gemacht haben! Neben den beiden Bands und den Betreibern der Dittchenbühne war das der Vorstand des Wendepunktes mit tatkräftiger Unterstützung des Elmshorner Handballteams. Außerdem haben wir Geld- und Sachspenden erhalten von: Bäckerei Rohwer, Fahrradbörse, hareico, Max-Peter Hell – Effiziente Energie, Holz Junge, Kölln, Musik-Hofer, Provinzial Elmshorn: J.-H. Fock, E.-P. Junge und S. Kreutz, Weinhaus Grönland.

04/12/17 Traumatisierten helfen – 5. Interdisziplinärer Trauma-Fachtag in Elmshorn

„Schwere Belastungen – Folgen traumatisierender Erfahrungen“
Interventionsansätze in Therapie, Jugendhilfe, Kita und Schule

180 Fachkräfte aus Jugendhilfe, aus Kita und Schule, aus Therapie und Beratung kamen zum diesjährigen Trauma-Fachtag in Elmshorn, um sich über aktuelle Themen und Fragestellungen auszutauschen.

Die Fachreferate:

  • Franka Metzner, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
     „Traumata, Traumafolgestörungen und Ressourcen von begleiteten und unbegleiteten geflüchteten Kindern und Jugendlichen

  • Rainer Pfeiffer, Werkbühne Therapeutisches Puppenspiel Visbek
    Puppenspiel in der Traumapädagogik“

  • Eva-Maria Hoffart, SchulCHEN              
    „Jugendhilfe macht Schule - Herausforderung(en) der Traumapädagogik in der Schule

  • Iris Hannig, Leitung der Opferhilfe Hamburg
    Dissoziation - Entstehung, Erscheinungsformen und Umgang“

  • Isi Kresch und Hoop.Momo, Leipzig
    Outbreak

  • Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    „Kinder psychisch kranker Eltern und die transgenerationale Weitergabe traumatischer Erfahrungen“

Die Texte der einzelnen Referate können hier nachgelesen werden.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Eberhart Weinert, dem ehemaligen Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendpsychotherapie Elmshorn, geleitet. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass die verschiedenen Berufsgruppen und Systeme gut zusammenarbeiten müssen, um den Betroffenen zu helfen. Gesundheitssystem, Schulsystem und Jugendhilfe müssten sich noch stärker vernetzen.

Ein Jahr TiK S-H

Hochbelasteten Kindern mit Traumata frühzeitig helfen

Landesweites Projekt unterstützt seit einem Jahr pädagogische Fachkräfte in der Region

„Ich betreue ein fünfjähriges Mädchen. Das kommt morgens, reißt erstmal alle Spielsachen raus, haut, schreit manchmal ganz laut und zeigt unvorhersehbares Verhalten. Der pädagogische Alltag mit ihr ist eine Herausforderung,“ berichtet Silke Sievers. Sie ist Heilpädagogin und wird von verschiedenen Kindergärten im Raum Elmshorn hinzugezogen, wenn Kinder verhaltensauffällig sind. Sie hat eine neuntägige Schulung im Rahmen des landesweiten TiK-Projektes besucht. Seit einem Jahr unterstützt und berät das Projekt „Traumapädagogikin Kindertagesstätten und Familienzentren“ (TiK) Erzieherinnen und Erzieher im Umgang mit traumatisierten Kindern. Das vom Sozialministerium finanzierte Projekt ist bundesweit einmalig und hat wegweisenden Charakter.

Silke Sievers sagt, dass das Seminar sie sensibilisiert habe und dabei helfe, Dinge auch von einer anderen Seite zu sehen. „Das Kind hätte auch ADHS haben können – das wäre die naheliegende Diagnose gewesen. Wir haben dann geguckt, wie weit wir mit Traumapädagogik kommen – und haben dann festgestellt, wie sehr das hilft. Es hat sich herausgestellt, dass das Mädchen in der Vergangenheit Gewalt- und Verlustsituationen erlebt hat.“

In Schleswig-Holstein werden 106.560 Kinder in Kindertageseinrichtungen betreut. Die pädagogischen Fachkräfte in den Einrichtungen werden immer wieder mit traumatisierten Kindern konfrontiert. Die Bandbreite der Ursachen ist groß: Körperliche oder sexuelle Gewalt, Demütigung, Vernachlässigung oder das Erleben von Krieg und Flucht. Aber auch familiäre Alltagsbelastungen sowie langanhaltende Stresserfahrungen, wie der Verlust eines Elternteils, können Kinder hoch belasten. „Ich habe es ganz oft mit Kindern zu tun, die eine schwierige Lebenssituation haben“, so Sievers. „Heutzutage haben viele Kinder eine Bindungsproblematik. Es gibt einen großen Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich.“

Auf einem Fachtag im Kieler Landtag zu dem Projekt TiK betonte Sozialminister Dr. Heiner Garg: „´TiK-SH entspricht einem sehr drängenden Bedarf: schon lange sind Kindertagesstätten mit dem Thema Trauma konfrontiert.“ Hochbelastete Kinder bräuchten einen sicheren Ort und stabile, soziale Beziehungen, so der Minister. „Sie brauchen Betreuung, die geleitet ist von fachlichem Verstehen und einem emotional angemessenen Umgang mit den Kindern.“

Das Sozialministerium hat eine Dokumentation über das erste Jahr des TiK-Projektes in Auftrag gegeben. Die Bilanz ist sehr positiv – bislang nutzten landesweit über 1700 Fachkräfte die verschiedenen Angebote, die allesamt kostenlos sind. Es gibt unterschiedliche Fortbildungen sowie Beratungen und Supervision – diese drei Säulen können auch jeweils als Inhouse-Angebot genutzt werden. Die Erzieherinnen und Erzieher bekommen ein traumapädagogisches Verständnis vermittelt und können sich bei ganz konkreten Fällen beraten lassen. Interviews mit verschiedenen Fachkräften wie Silke Sievers, die in der Dokumentation enthalten sind, dokumentieren die Herausforderungen des pädagogischen Alltags und den hohen Nutzen des traumapädagogischen Wissens für die Arbeit mit belasteten und verhaltensauffälligen Kindern. „Das Projekt TiK verändert Haltungen, schafft Kompetenzen und gibt Kindern Heilungschancen,“ fasst Holger Platte, Dipl. Sozialpädagoge beim Wendepunkt, zusammen.

Der Wendepunkt e.V. ist einer von drei Trägern, die im Auftrag des Sozialministeriums Fortbildungen, Beratungen und Supervision an zahlreichen Standorten übernehmen. Der Wendepunkt ist für die Kreise Pinneberg, Steinburg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg und die Städte Neumünster und Norderstedt verantwortlich und hat im ersten Jahr über 770 Fachkräfte geschult und beraten.

„Die verantwortungsvolle Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher kann gesellschaftlich nicht hoch genug geschätzt werden“, so Franz Schneider, Leiter des Teams TiK-SH/Region Südbeim Wendepunkt. „Deshalb freuen wir uns, dass wir durch dieses Projekt die pädagogischen Fachkräfte in unserer Region unterstützen und fördern können, um gemeinsam ein gutes Erziehungsmilieu zu schaffen.“

Das fünfjährige Mädchen hat sich inzwischen stabilisiert und hat gelernt, mit anderen Kindern zu spielen. Silke Sievers möchte gerne auch andere Erzieher und Eltern für das Thema Traumapädagogik sensibilisieren: „Verletzungen an der Seele kann man nicht sehen. Kinder brauchen einen Platz, wo sie sich fallen lassen können. Wenn man davon ausgeht, dass jedes Verhalten eines Kindes einen guten Grund hat, dann ist das eine positive Grundhaltung, die das Menschenbild prägt.“

22/12/16 „Es war wunderschön und hat Spass gemacht“

Kunsttherapie für Flüchtlinge der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule

Sana, Morteza und Laith sind sich einig - die Kunsttherapie hat allen viel Spass gemacht, versichern sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Und halten dabei stolz ihre „Schatzkisten“ in der Hand. Da haben sie alle Schätze drin, die sich im Lauf des besonderen Projekts angesammelt haben - ein Selbstporträt, eine Collage ihrer Hobbys und Interessen und ein selbstgeschnitzter Speckstein. „Es war wunderschön“, sagt der zwölfjährige Laith aus Syrien. Der 15jährige Morteza aus Afghanistan ist blind - auf seine Schatzkiste hat er deshalb mit kleinen Tonkugeln seinen Namen in Braille-Schrift aufgeklebt. Und den Buchstaben „M“ für Mögen, erzählt er, und lacht dabei verschmitzt.

Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen haben in ihren jungen Jahren bereits stark prägende Erlebnisse erfahren - in ihren Heimatländern und während der Flucht. Diese zum Teil hoch belastenden Erfahrungen gehen meist nicht spurlos an ihnen vorbei und führen häufig dazu, dass die Kinder zu schnell erwachsen werden mussten. Zeit für altersangemessene, kindliche Entwicklungen bleibt oft kaum.
Die Lehrkräfte der „DaZ“-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) machen die Erfahrung, dass viele ihrer Schüler belastet sind und deshalb Schwierigkeiten haben, sich auf das Lernen zu konzentrieren.

Maren Schramm, Leiterin der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule, hat sich auf der Suche nach einem unterstützenden Angebot für die DaZ-Klasse an den Wendepunkt gewandt.
In Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Elmshorn hat der Wendepunkt ein kunsttherapeutisches/ -pädagogisches Angebot erarbeitet, das die Kinder und Jugendlichen stärken, ihnen Erfolgserlebnisse vermitteln soll und sie dabei unterstützt, die eigene Identität wiederzufinden.

„Diese Schüler haben zum Teil ganz schlimme Erfahrungen machen müssen, sie haben ganz schreckliche Dinge erlebt“, berichtet Maren Schramm. „Da sind wir als Lehrkräfte überfordert. Deshalb wollen wir eine Brücke schlagen zum Wendepunkt, damit die Kinder wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie professionelle Hilfe brauchen.“
Hakan Akgün, DaZ-Koordinator des Schulamtes Kreis Pinneberg, betont: „Wir sind in einer glücklichen Lage, dass der Wendepunkt in Elmshorn ist. Die Integration dieser Schülerinnen und Schüler ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe - und dieses Angebot ist da ein Vorzeigeprojekt.“ Maren Schramm würde sich wünschen, dass das Projekt fortgesetzt werden kann: „Es hat den Kindern so gut getan, sie strahlen richtig von innen heraus.“

Das Projekt ist Ende Oktober gestartet und lief über zwei Monate. Begleitet von den Kunsttherapeutinnen Sophie Firle (Wendepunkt) und Tanja Lilge (KJPP) haben die Kinder und Jugendlichen in insgesamt 7 Doppelstunden einmal wöchentlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten zum Thema „Jugend“ gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler haben sich dabei auf kreative Weise mit ihrer eigenen Identität und ihren Ressourcen auseinandergesetzt. In dieser DaZ-Klasse sind insgesamt 17 Schüler im Alter von 12 bis 16 Jahren (5. - 9. Klasse), unter ihnen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Durch die gemeinsame kreative Arbeit lernen die Schüler, sich jenseits der Sprachgrenzen auszudrücken, und werden in der Wiederfindung der eigenen Identität unterstützt.
Kreative Erfahrungen sind ein wichtiger Aspekt in der gesunden Entwicklung im Kindes- und Jugendalter. Gerade problembelastete Kinder und Jugendliche profitieren von der besonderen Weise, eigene Potentiale und Fähigkeiten herauszustellen. Im gestalterischen Prozess erleben sie sich als handelnd und produktiv und machen dadurch ressourcenstärkende und stabilisierende Erfahrungen.
Im kunstpädagogischen Setting gibt es kein richtig oder falsch, kein gut und kein schlecht. Ziel ist nicht das Erschaffenen eines fertigen Produktes, sondern der Prozess der gemeinsamen Arbeit in einem geschützten Raum.

Die Anne-Frank-Gesamtschule hat gerade den ersten Preis für Integration von Flüchtlingskindern des Quickborner Unternehmens Megaplan erhalten - das Kunstprojekt wurde dabei unter anderen exemplarisch aufgeführt.

Das Projekt wurde von Seiten des Wendepunkt ermöglicht durch Spendenmittel des NDR über Hand in Hand für Norddeutschland. Um die Arbeit fortzusetzen und an anderen Schulen anbieten zu können, werden Spenden benötigt.

VR Bank Pinneberg-Elmshorn, IBAN DE31 2219 1405 0010 1010 70

25/11/16 Begegnungen ohne Worte

Interkulturelle Woche Elmshorn 2016

Die Erkenntnis: man kann auch ohne eine gemeinsame Sprache miteinander spielen, kreativ sein und in Kontakt kommen!

Im Rahmen der Interkulturellen Woche Elmshorn kam es zu ganz besonderen Begegnungen in den Räumen des Wendepunkt. Schülerinnen und Schüler, die „Deutsch als Zweitsprache“-Klassen der Berufsbildenden Schule besuchen, waren eingeladen, sich gegenseitig und uns näher kennenzulernen. An zwei Tagen kamen jeweils 30 bis 40 Schüler aus den verschiedensten Herkunftsländern zusammen. In gemütlicher Runde bei Kaffee und Tee wurde gespielt, gebastelt und gemalt. Und dabei haben sowohl Schüler als auch Lehrer unser Angebot und speziell die Trauma-Ambulanz kennengelernt.

Denn einige der Flüchtlinge haben oft unvorstellbare Erfahrungen in ihren Herkunftsländern oder auf der Flucht gemacht und müssen diese jetzt verarbeiten. Sie leiden unter Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen.

Die speziell ausgebildeten Fachkräfte der Trauma-Ambulanz können ihnen helfen. Die Behandlung psychische Probleme und Traumata ist nach Ansicht vieler Experten elementar, um den Menschen ein neues Leben und eine Eingliederung in unsere Gesellschaft zu ermöglichen. Die Lehrkräfte der „DAZ“-Klassen berichten, dass sie viele Schülerinnen und Schüler haben, die einfach den Kopf nicht freibekommen zum Lernen. Die Berufsschulen sollten mit diesem Problem nicht alleine gelassen werden.

Die Schüler haben Informationsmaterial in den verschiedenen Sprachen bekommen, und zwei Dolmetscher für Arabisch und Farsi haben bei den Gesprächen geholfen. Es wurden bereits einige Termine für Erstgespräche in der Trauma-Ambulanz vereinbart.

Darüber hinaus konnten viele praktische Tipps ausgetauscht werden. Und auch wir haben viel über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten und die Verständigung ohne Sprache gelernt. Wir hoffen, dass wir dieses Angebot bald wiederholen können!

09/11/16 4. Interdisziplinärer Traumafachtag

Unter dem Thema „ZUGANGSWEGE ERÖFFNEN UND ERHALTEN“ - Neue Entwicklungen in der Trauma-Arbeit – fand am 09.11.2016 der 4. interdisziplinäre Traumafachtag in Elmshorn statt. 

Die Vorträge der verschiedenen Referenten finden Sie im Downloadbereich .

08/11/16 Trauma-Ambulanz Westholstein bekommt Förderpreis der Kroschke Kinderstiftung verliehen

Am 08. November 2016 fand die Verleihung des Kroschke Förderpreises „Beispielhafte Hilfe für Kinder“ in Braunschweig statt. Ausgezeichnet wurde unter anderem der Wendepunkt e.V. für das Projekt Trauma-Ambulanz Westholstein.

Als Anerkennung für ihre Arbeit wurde für die Trauma-Ambulanz ein Kurzfilm produziert, der verschiedene Ursachen für Traumata aufzeigt. Dieser Film kann zum Beispiel im Rahmen von Fortbildungen an Schulen eingesetzt werden, um auf das sensible Thema aufmerksam zu machen.

Ingrid Kohlschmitt:
"Wir freuen uns riesig, dass wir seit heute Preisträger der Kroschke-Kinderstiftung sind. Wir wurden ausgezeichnet wegen unseres „außerordentlichen Engagements“ und wegen unserer „beispielhaften Zusammenarbeit“ insbesondere mit der örtlichen Kinder- und Jugendpsychiatrie und dem Jugendamt. Wir sind stolz auf diese Auszeichnung und die mit ihr verbundene Anerkennung unserer Arbeit in unserer Interdisziplinären Trauma-Ambulanz. Als Preis wurde ein etwa 5-minütiger Film gedreht, der über unsere Arbeit erzählt."

Film über die Trauma-Ambulanz Westholstein

Unterstützen Sie die TRAUMA-AMBULANZ!

Aus vielfach gegebenem Anlass möchten wir Ihnen hier ein wichtiges und aktuelles Spendenprojekt ans Herz legen: Viele Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, brauchen professionelle Hilfe. Sie haben furchtbare, traumatische Dinge erlebt und sollten eine Chance bekommen, eventuelle psychische Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Um Flüchtlingen bei der Bearbeitung psychischer Traumatisierung zu unterstützen, benötigen wir Ihre Spende auf www.betterplace.org!

Jede Spende kommt 1:1 an, ist transparent, absolut nachvollziehbar - und vor allem sehr sinnvoll und hilfreich. Herzlichen Dank!