Aktuelles

12/11/18 Mehr Bewusstsein für Gefahren im Internet

Quickborner Aktionswoche zu den Themen Sexting und Cyber-Grooming

Kinder und Jugendliche wachsen heute ganz selbstverständlich mit Computer, Smartphone und Internet auf - die digitale Kommunikation über soziale Netzwerke und Chatrooms ist für sie Alltag. Dabei wird auch Persönliches und sogar Intimes online ausgetauscht. Das digitale Verbreiten von Nacktbildern oder sogar Videos wird als „Sexting“ bezeichnet. Dabei sind den Jugendlichen die damit verbundenen Gefahren oft gar nicht bewusst. Was passiert, wenn Vertrauen missbraucht wird – und intime Bilder weitergeleitet werden?

Und welche Gefahren lauern im Internet durch Erwachsene, die sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen erschleichen, um sie online oder in der Realität zu sexuellen Handlungen zu bringen und zu missbrauchen? Dies als Cybergrooming bezeichnete Vorgehen stellt einen großen Vertrauensmissbrauch dar.

Um diese Themen ging es in der Aktionswoche in Quickborn, die der Wendepunkt e.V. in Kooperation mit der Stadtjugendpflege Quickborn und dem Kinderhilfswerk Quickborn durchgeführt hat.

Dazu fanden in allen 8. Klassen der Comenius-Schule Projekte statt – vier Stunden pro Klasse unter der Leitung von jeweils zwei Wendepunkt-Mitarbeiterinnen und –mitarbeitern an fünf verschiedenen Tagen. Dadurch wurden fast 100 Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren über diese Themen informiert. Ziel war es, ein Bewusstsein für mögliche Grenzüberschreitungen zu schaffen und so vorbeugend Schutz zu bieten. Darüber hinaus haben die Jugendlichen gemeinsam mit den MitarbeiterInnen des Wendepunkt e.V. sinnvolle Verhaltensweisen erarbeitet, um sich auch in einer akuten Situation angemessen verhalten zu können. Welche Regeln können die Jugendlichen befolgen, um Sexting sicherer zu machen? Wie sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen? Welche Warnsignale gibt es für die Kommunikation in Chatsrooms? „Es geht darum, die Jugendlichen über mögliche Gefahren und Konsequenzen ihrer digitalen Kommunikation aufzuklären. Die waren vielen Schülern, die an dem Projekt teilgenommen haben, nicht bewusst. Unsere Arbeit soll möglichst präventiv ansetzen“, so Hendrix Bölle, Sozialpädagoge beim Wendepunkt.

Neben den Schulprojekten wurden auch eine Fortbildung für pädagogische Fachkräfte und ein Elternabend angeboten.

Die kostenlose Fortbildung richtete sich an alle pädagogisch tätigen Personen in Schulen und Jugendeinrichtungen aus Quickborn. Hier ging es um die Schaffung eines Bewusstseins für die beiden Themen und die Erarbeitung präventiver Handlungsmöglichkeiten – sowie Verhaltens- und Interventionsmöglichkeiten für den Akutfall. Es ging auch um die Frage, was den Reiz zur Intimkommunikation für die Jugendlichen ausmacht, um Scham- und Schuldfragen und die Verantwortung der Schulen und anderer pädagogischer Fachkräfte. Da sich Jugendliche gerade bei solchen Themen manchmal nicht ihren Eltern anvertrauen wollen, benötigen sie andere vertrauensvolle Erwachsene und Anlaufstellen.

Der Elternabend richtete sich an die Eltern aller weiterführenden Schulen in Quickborn. Die Eltern sind wichtige Ansprechpartner für ihre Kinder – sie benötigen bei diesen Themen Hintergrundinformationen, Sensibilität und auch Verständnis. Es wurden Wege aufgezeigt, wie Eltern konstruktiv und förderlich ihre Rolle als Erziehungsberechtigte in Bezug zu den Themen ausfüllen können. Sie müssen die Bedürfnisse und Reize der Jugendlichen verstehen und sich immer bewusstmachen, dass die Jugendlichen bei einem Kontakt mit einem Erwachsenen keine Schuld trifft.

Zum ersten Mal wurde eine derartige Aktionswoche zu diesen Schwerpunktthemen durchgeführt. Hendrix Bölle ist sich sicher, dass die Informationen die Schüler nachdenklich gestimmt haben. „Im Anschluss an die Projekte haben wir auch Gespräche mit den jeweiligen Klassenlehrern durchgeführt. Damit sie wissen, welche Themenbereiche immer mal wieder in den Unterricht aufgenommen werden sollten, um die Schüler auch langfristig zu sensibilisieren.“

17/09/18 „Habibi“ - Unser „Lieblings-Baum“

DaZ-Schüler basteln im Wendepunkt einen Phantasiebaum

Angebot zur Interkulturellen Woche

interk.Wo.(1)„Habibi“ bedeutet im Arabischen so viel wie „Liebling“, aber auch „Freund“. Diesen Namen haben sich die 17 Schülerinnen und Schüler der DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) der Anne-Frank-Schule für ihren Baum ausgesucht. „Unser phantastischer Baum“ – so hieß das Angebot des Wendepunktes zur Interkulturellen Woche.

Die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren haben mit uns die Blätter für den Baum selbst gebastelt und verziert. Mit bunten Steinen, viel Farbe, Federn, Herzchen – aber auch traurigen Smileys. Die Mädchen und Jungen sollten dabei ihre eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle einarbeiten.

interk.Wo.(2)Die 13jährige Maha aus dem Irak hätte den Baum deshalb auch lieber „Verletzte Blätter“ genannt. „Weil wir im Krieg gelebt haben und wissen, wie das ist,“ sagt sie. Die 14jährige Nivin aus Syrien stimmt ihr zu: „Verletzt – so fühlen wir uns.“ Sie finden den Baum aber sehr schön und bunt, weshalb sie mit dem Namen „Habibi“ auch einverstanden sind.
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Die Kinder und Jugendlichen kommen aus 9 verschiedenen Nationen. Zwei Sprachmittler halfen beim gemeinsamen Austausch – und übersetzten die Geschichte von dem Baum, der erst ganz unglücklich über seinen Standort ist. Doch schließlich versteht er, dass er alleine an genau diesen Platz passt – weil er so ist, wie er ist.

„Künstlerisch zu arbeiten ist für viele dieser Kinder sehr ungewöhnlich, eine neue Erfahrung. Hier haben sie mit dem Baum ein positives, schönes Ergebnis“, meint DaZ-Lehrerin Frau Förster.

Am Nachmittag gab es inspiriert durch das Projekt noch ein Fachgespräch zu den Wünschen und Bedürfnissen von Kindern mit Fluchterfahrungen, um gemeinsame Ideen für die Arbeit zu entwickeln. Herr Dr. Akgün, DaZ-Koordinator, hat den Bedarf der kommenden Jahre aufgeschlüsselt. Die Zahlen der Schüler in DaZ-Klassen gehe zwar zurück, die Zahl der SchülerInnen mit DaZ-Förderbedarf in den Regelklassen würde aber dementsprechend rasant ansteigen. Frau Schmeleva von der Brücke Elmshorn verwies hierzu nochmal auf den Bedarf nach Sprach- aber eben auch nach Kulturmittlung.

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17/09/18 Wendepunkt e.V. gewinnt renommierten Sparda Bank Hamburg Award

Erster Platz beim Jurypreis in der Kategorie „Soziale Projekte“

Projekt der Interdisziplinären Trauma-Ambulanz erhält 5500 Euro

Hamburg/Elmshorn. „Sie leisten unverzichtbare Arbeit für unsere Gesellschaft – die Trauma-Ambulanz ist ein sehr unterstützenswertes Projekt.“ Mit diesen Worten überreichte Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration und Schirmherrin des Sparda-Bank Hamburg Awards den Preis an Dirk Jacobsen, Leiter der Trauma-Ambulanz.

Sparda Bank AwardEine Fachjury hat in den drei Kategorien Soziale Projekte, Umweltschutz und Sport jeweils fünf Projekte ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung Montagabend im Ernst Deutsch Theater Hamburg wurden die ausgewählten Projekte vorgestellt und die jeweiligen Platzierungen verkündet.

Die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz des Wendepunkt e.V. wurde mit dem ersten Preis in der Kategorie „Soziale Projekte“ ausgezeichnet und erhält 5500 Euro. Mit dieser Fördersumme kann etwa sieben akut traumatisierten Kindern oder Jugendlichen und ihrem sozialen Umfeld geholfen werden. In Einzelsitzungen mit den speziell im Bereich Traumaarbeit ausgebildeten Fachkräften lernen die jungen Menschen, sich mit ihren sehr belastenden Lebensereignissen auseinanderzusetzen. Ihre Ressourcen sollen stabilisiert werden, und sie sollen Möglichkeiten an die Hand bekommen, mit ihren Emotionen, die sie in Folge der traumatischen Erfahrung schlecht regulieren können, besser umzugehen.

Dirk Jacobsen vom Wendepunkt nahm den Preis gerührt entgegen. „Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen dringend unsere Hilfe. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir nicht nur mit dem Geld unterstützt werden, sondern dass durch diese Preisverleihung unsere Arbeit und das umfangreiche, tolle Engagement aller anderen ausgezeichneten Organisationen und Vereine Wertschätzung erfährt.“

Sparda Bank Award (2)Ein Punkt, den auch Sozialsenatorin Leonhard in ihrer Rede hervorhob. Der Sparda Bank Award mache auf wichtige Arbeit aufmerksam, die sonst oft unsichtbar bleibe, aber doch so elementar für unsere Gesellschaft sei. Die Genossenschaftsbank hat den Preis zum vierten Mal in Folge verliehen, und will damit gemeinnützige Projekte in der Region fördern. Insgesamt wurden 115 000 Euro vergeben – über eine Online-Abstimmung wurden zusätzlich Publikumspreise verliehen. Der Abend, durch den Schauspieler und Moderator Yared Dibaba führte, war oft sehr emotional, wenn die einzelnen Projekte aus den unterschiedlichsten Bereichen vorgestellt wurden und sich die Preisträger über die Unterstützung freuten. Stephan Liesegang, Vorstandsmitglied der Sparda-Bank Hamburg eG sprach in seinem abschließenden Resümee von „magischen Momenten“.

Wie schon im vergangenen Jahr haben sich auch bisher in 2018 viele Menschen hilfesuchend an die Trauma-Ambulanz gewandt. Die öffentlichen Mittel reichen leider bei Weitem nicht aus, um allen Kindern und Jugendlichen zu helfen - es gibt eine große Finanzierungslücke. Die Trauma-Ambulanz ist deshalb dringend auf Spenden angewiesen. "Wir würden uns sehr wünschen, dass unsere Arbeit durch eine ausreichende Regelfinanzierung abgesichert wäre," so Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunkts. "Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung durch den Sparda Bank Hamburg Award. Das Geld hilft uns, die Arbeit für mehr Kinder sicherzustellen."

16/09/18 Benefizkonzert der Chorknaben Uetersen war ein voller Erfolg

Knapp 1.400 Euro Spenden für die Trauma-Ambulanz

Es war ein sehr abwechslungsreiches Programm, das die Chorknaben Uetersen in der Thomaskirche in Elmshorn zum Besten gaben. Von klassischer geistlicher Chormusik aus 400 Jahren Musikgeschichte bis hin zu Ausschnitten aus dem neuesten Projekt des Knabenchors. Der lettische Komponist Ugis Praulins hat ein geistliches Ovatorium eigens für den Uetersener Chor geschrieben – in Zusammenarbeit mit einer Rockband. Somit begleiteten zum Teil ungewohnte Klänge vom Band die Chormitglieder im Alter von 9 bis 23 Jahren.

Mit ca. 190 Besuchern waren die Kirchenbänke gut besetzt. Insgesamt wurden knapp 1.400 Euro für unsere Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz gespendet! Wir möchten uns gerne ganz herzlich bei allen Beteiligten, Organisatoren und Unterstützern bedanken! Das Geld kommt direkt unserer Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zugute.

Wir wünschen dem Uetersener Knabenchor eine tolle Konzertreise durch Dänemark und Schweden und viel Erfolg bei der Veröffentlichung der neuen CD mit der Rockband, die im November herauskommen wird. Vielen Dank für euer Engagement!

07/18 Was bedeutet Traumapädgogik in der frühen Kindheit?

Wir freuen uns, dass die Arbeit von TiK-SH in der neuesten Ausgabe der Kita Aktuell ND vorgestellt wird.

06/07/18 Kunsttherapie für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen

Schüler basteln eine „Schatzkiste“

Die Schülerinnen und Schüler der „DaZ“-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) der Helene-Lange-Grundschule in Pinneberg waren jedes Mal voller Konzentration in die kreative Arbeit vertieft. 2 Monate lang haben sie in einem Gemeinschaftsprojekt der Kinder- und Jungendpsychiatrie Elmshorn und dem Wendepunkt unter der Anleitung von zwei Kunsttherapeutinnen einmal die Woche an einer ganz persönlichen Schatzkiste gebastelt. Dabei konnten sie erfahren, sich jenseits der Sprachgrenzen auszudrücken, und sie haben sich selbst im gestalterischen Prozess als handelnd und produktiv erlebt.

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Gerade problembelastete Kinder und Jugendliche profitieren von der besonderen Weise der kreativen Arbeit, eigene Potenziale und Fähigkeiten herauszustellen, und machen dabei ressourcenstärkende und stabilisierende Erfahrungen.

Die 13 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 8 und 11 Jahren stammen aus Syrien, Jemen, Ägypten, dem Iran und Polen. Einige von ihnen haben noch große Verständigungsprobleme, da sie erst vor Kurzem in Deutschland angekommen sind. Für die meisten von ihnen war der künstlerische Prozess eine völlig neue Erfahrung – Kunstunterricht kannten sie nicht aus ihren Heimatländern. Die Kinder haben bereits stark prägende Erlebnisse erfahren müssen: Die zur Flucht bewegenden Umstände in ihrer Herkunft, der Fluchtweg, aber auch das Ankommen in einem fremden Land. Erlebnisse, die meist nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen sind. Die Zeit für altersangemessene, kindliche Entwicklung blieb oft kaum. Die Lehrkräfte der DaZ-Klassen machen die Erfahrung, dass viele ihrer Schüler belastet sind und deshalb Schwierigkeiten haben, sich auf das Lernen zu konzentrieren.

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In der Arbeit an den Schatzkisten lernen die Schüler und Schülerinnen, sich mit ihrer eigenen Identität und ihren Ressourcen auseinanderzusetzen.

Die Kinder haben während des Kunstprojektes Glücksbringer aus Speckstein geschnitzt, Stempel mit persönlichen Symbolen erstellt und die Namen ihrer wichtigsten Bezugspersonen in kleine Herzen geritzt. Am Ende hat jedes Kind seine persönlichen „Schätze“ stolz mit nach Hause genommen. In einer gemeinsamen Abschlusssitzung haben die Kinder erzählt, dass ihnen die Arbeit an ihrem eigenen großen Körperbild besonders gut gefallen habe. Jedes Kind wurde gemeinsam mit seinem Selbstporträt fotografiert. Anschließend bekam das Foto einen selbstgebastelten und verzierten Rahmen und wurde schließlich ein Teil ihrer Schatzkiste.

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Mit einer kleinen Geschichte über Herzenswünsche ging das Projekt zu Ende. Zum Abschluss konnten die Kinder noch drei eigene Wünsche auf ein selbstgebasteltes Seifenblasen-Mobile schreiben.

 

16/04/18 Immer mehr Menschen suchen Hilfe beim Wendepunkt

Vorstellung des Tätigkeitsberichts für 2017

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anfragen wieder stark gestiegen – insgesamt haben wir 1019 Fälle bearbeitet, im Vorjahr waren es noch 870. Im Bereich unserer Interdisziplinären Trauma-Ambulanz ist dieser Anstieg am deutlichsten. Hier haben wir 240 Fälle bearbeitet – das ist eine Zunahme von knapp 60 % gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen noch 176 Fälle aus der Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch – auch in diesem Bereich gab es mehr Hilfeanfragen als im Vorjahr.

Die meisten Fälle bezogen sich auf Kinder und Jugendliche.

Wir freuen uns über das uns entgegengebrachte Vertrauen – aber die große Nachfrage hat auch zu deutlichen finanziellen Engpässen und schwierigen Entscheidungen geführt. So hat die Trauma-Ambulanz noch immer keine auskömmliche Finanzierung. Wenn gerade junge Menschen traumatische Erfahrungen machen mussten – sei es zum Beispiel ein Suizit in der Familie, oder Gewalterfahrungen, oder Kriegs- und Fluchterlebnisse, dann muss ihnen so schnell wie möglich geholfen werden. Mit Diagnostik und Screening, Krisenintervention und psychosozialer Beratung, Stabilisierung und Psychoedukation. An den Hilfeanfragen sehen wir, wie notwendig die Trauma-Ambulanz ist. Dennoch haben sich die Fraktionen, die derzeit für den Haushalt im Kreis Pinneberg verantwortlich sind, nicht dafür entscheiden können, unsere Einrichtung mit einem angemessenen Zuschuss auszustatten. Da wir uns entschieden haben, niemanden abzuweisen, der dringend unsere Hilfe benötigt, werden wir deshalb erstmalig ein Haushaltsjahr mit einem nennenswerten Defizit abschließen.

Insgesamt konnten wir 2017 wieder viele Fachkräfte bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen. Im Rahmen eines großen traumapädagogischen Programms des Landes Schleswig-Holstein für Kindertagesstätten und Familienzentren bietet der Wendepunkt Fortbildungen, Beratungen und Supervision an. Im vergangenen Jahr wurden 900 Mitarbeiter/innen aus Kitas fortgebildet und 200 Erzieherinnen und Erzieher haben Beratungen in Anspruch genommen. Die Resonanz ist sehr poritiv – die pädagogischen Fachkräfte berichten, wie sehr ihnen die Auseinandersetzung mit den Mitteln der Traumapädagogik bei ihrer täglichen Arbeit hilft.

Über Präventionsmaßnahmen an Schulen und Unterrichtsprojekte haben wir etwa 3.500 Schüler/innen erreicht, knapp 500 Eltern haben an Elternabenden zu verschiedenen Schwerpunkten teilgenommen, und über Fortbildungsmaßnahmen im Rahmen vom WFZ, über die Ambulante Rückfallprophylaxe und im Bereich der Sexualpädagogik haben wir weitere 1.800 Fachkräfte erreicht.

Bedauerlicherweise haben sich die Fraktionen im Pinneberger Kreistag entschieden, ab 2018 keine sexualpädagogischen Maßnahmen mehr zu fördern – eine aus unserer Sicht vollkommen unverständliche und fachlich falsche Entscheidung. Der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die Schulen zu präventiver Arbeit aufgefordert. Die Kinder und Jugendlichen werden heute durch das Internet und die sozialen Medien mit sexuellen Informationen überfrachtet und sind mit den Bildern und Klischees oft vollkommen überfordert. Gleichzeitig müssen sich zunehmend Menschen aus anderen Kulturen mit unseren sexuellen Normen auseinandersetzen. Sexualpädagogische Maßnahmen unterstützen die sexuelle Selbstbestimmung, sie fördern Verantwortungsbewusstsein und dienen der Prävention von sexuellem Missbrauch. Da uns in diesem Bereich weiterhin viele Anfragen erreichen, haben wir ein spezielles Programm für Fachkräfte, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen zusammengestellt – wir bieten Beratungen, Fortbildungen und Unterrichtsprojekte zu den unterschiedlichsten Themenbereichen an.  Die Kosten dafür müssen die Einrichtungen aufgrund dieser schwer nachvollziehbaren Entscheidung des Kreistages aber zukünftig selbst tragen.

23/03/18 Viel Zustimmung, Lob und Unterstützung

Fachtag zum 10jährigen Jubiläum der Hamburger Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene

In ihrer Rede betonte die Senatorin für Arbeit, Soziales und Integration, Dr. Melanie Leonhard, die große Bedeutung der Arbeit der Beratungsstelle für den weiteren Lebensweg der Jugendlichen. Den jungen Menschen, die sexuell grenzverletzendes oder sogar übergriffiges Verhalten gezeigt haben, könnten andere Wege aufgezeigt werden, weshalb diese Arbeit gleichzeitig elementar für den Opferschutz sei. Im Bürgerhaus Wilhelmsburg bedankte sich Frau Leonhard für die Zusammenarbeit und die Unterstützung der verschiedenen Institutionen in Hamburg durch den Wendepunkt und wünschte allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg.

Rita Steffes-enn von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit sexualisiert grenzverletzendem Verhalten e.V. betonte das Recht dieser jungen Menschen auf Hilfe. In den zurückliegenden Jahren habe dieser Arbeitsbereich eine große Entwicklung und Professionalisierung erfahren. Bernd Priebe, Leiter der Beratungsstelle des Wendepunkts, habe dazu einen großen Beitrag geleistet.

Wera Ellen Auras vom Zündfunke e.V. und der NEXUS-Arbeitsgemeinschaft betonte vor allem die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Wendepunkt für die Verbesserung des Kinderschutzes in Hamburg. „Wir sind froh, dass es euch gibt. Dass ihr es jeden Tag auf euch nehmt, diese schwere Arbeit zu leisten,“ so Auras.

Bernd Priebe und seine MitarbeiterInnen Nicole Krampe und Karl-Sören Michaelis hielten anschließend einen Vortrag über ihre Arbeit – über das Angebot der Beratungsstelle, die Arbeitsweise, die Ziele und Erfahrungen, und die Wünsche für die Zukunft.

Im Anschluss boten noch zwei Fachvorträge Diskussionsanstöße. Die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal reflektierte über Geschlechterstereotypen und Kommunikationsmechanismen im Umgang mit sexualisierter Gewalt. Arne Dekker, Juniorprofessor für Sexualwissenschaft und präventive Internetforschung am UKE, hielt einen Vortrag zum medialen Generationenverhältnis als Herausforderung für die Prävention sexueller Gewalt.

Bei Buffet und Musik fand dann noch ein reger Austausch über die verschiedenen Themen statt. Das allgemeine Fazit über die Arbeit der Beratungsstelle: Weiter so!

21/03/18 10 jähriges Jubiläum der Hamburger Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene

Beratungsangebot mit bundesweiter Vorbildfunktion

„Arbeit mit Tätern ist vorrangig Opferschutz“, betont Bernd Priebe, Leiter der Hamburger Beratungsstelle. „Wir wollen, dass sexuell auffällige und übergriffige junge Menschen verstehen, welche Folgen ihre Taten haben. Und dass sie Empathie für ihre Opfer entwickeln. Das ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch“.

Vor 10 Jahren wurde die Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene bis 26 Jahre gegründet – finanziert vom Hamburger Senat. Damit ist sie eine der ganz wenigen regelfinanzierten Beratungsstellen dieser Art im gesamten Bundesgebiet. Die Arbeit der zurückliegenden Jahre zeigt: der Bedarf ist groß. Bundesweit ist unter denjenigen, die sexuelle Grenzverletzungen begehen, der Anteil der Kinder und Jugendlichen erschreckend hoch: Rund 24 % aller Tatverdächtigen in diesem Deliktbereich sind unter 21 Jahre alt.

Die Beratungsstelle ist Ansprechpartner für Eltern, Schulen und Jugendämter sowie die Jugendgerichtshilfe. Die Fälle sind sehr unterschiedlich und reichen von auffälligem Verhalten bis zu massiven Übergriffen, nach denen bereits ein Strafverfahren eingeleitet wurde.

Da ist zum Beispiel der 15jährige Alexander (Name geändert), der nach der Trennung von seiner Freundin Nacktfotos, die sie ihm geschickt hatte, ins Netz gestellt hat. Hier hat die Schule Hilfe gesucht, weil das ganze Klassenklima schwierig wurde. Die Mehrheit der Mitschülerinnen und Mitschüler sah zumindest eine Mitschuld bei dem Mädchen (´Die Schlampe hat sich das selbst zuzuschreiben´). Auch in Zeiten der „#MeToo“-Debatte werden Geschlechterklischees oft unreflektiert übernommen. In diesem Fall wurde mit der ganzen Klasse gearbeitet und über Grenzverletzungen und Rollenklischees diskutiert.  Überhaupt sind sexuelle Grenzverletzungen im Internet und den sozialen Netzwerken keine Seltenheit und stellen eine besondere Herausforderung für Pädagogen und Eltern dar.

Aber es kommt auch immer wieder zu tätlichen sexuellen Übergriffen. Der 19jährige Luca (Name geändert) hat eine 16jährige Mitschülerin auf einer Party betrunken gemacht und anschließend vergewaltigt. Luca ist bereits wegen anderer Bagatelldelikte aufgefallen und ist alkoholabhängig. In seinem Fall hat sich die Jugendgerichtshilfe an den Wendepunkt gewandt.

Hier geht es um die Frage, wie Eltern und Schulen mit übergriffigen jungen Menschen umgehen. Der Opferschutz hat dabei absoluten Vorrang.

Aber so wie Taten nicht bagatellisiert werden dürfen, sollten sie auch nicht unnötig skandalisiert werden. „Eine Kindertagesstättenleitung hat sich an uns gewandt mit den Worten ´wir haben hier einen kleinen Triebtäter´“, erzählt Bernd Priebe. „Eine Fachberatung kann dabei helfen, Verhalten einzuordnen und Stigmatisierungen zu vermeiden. Zu gucken, was ist zum Beispiel altersgerechte Neugierde. Oder was sind die möglichen Ursachen für ein sexuell übergriffiges Verhalten? Ahmt das Kind etwas nach, was es womöglich zuhause erlebt?“

Für Betroffene von sexuellen Übergriffen gibt es zum Glück vielfältige Hilfeangebote. „Diese Beratungsstellen sollten jedoch zumindest räumlich von denen für sexuell Übergriffige getrennt sein. Wir halten es auch für sinnvoll, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entweder in dem einen oder aber in dem anderen Bereich einzusetzen, um Loyalitätskonflikte zu vermeiden“, so Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunkt e.V., der ein breites Spektrum an Aufgaben abdeckt und unter anderem Träger der Hamburger Beratungsstelle ist. Der Wendepunkt mit Sitz in Elmshorn setzt sich seit 25 Jahren für einen respektvollen und gewaltfreien Umgang in Erziehung, Partnerschaft und Sexualität ein. „Es ist wichtig, dass es auch Beratungsstellen für Täter gibt, um ihnen eine zweite Chance und angemessene Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Der Wendepunkt hat seine Wurzeln in der Beratung gegen sexuellen Missbrauch und arbeitet dort strikt an der Seite der Betroffenen. Zum Schutz der Opfer müssen wir aber auch auf der anderen Seite handeln - das ist elementar für die Präventionsarbeit.“ Der Wendepunkt bietet schon seit 2001 Täterberatung an.

In die Beratungsstelle kommen auch viele Familien, bei denen es sexuelle Übergriffe unter Geschwistern gegeben hat. „Ein solches Geschehen hat das Potential, die ganze Familie zu sprengen“, weiß Bernd Priebe. „Es braucht jemanden von außerhalb, der der Familie helfen kann, die Ereignisse aufzuarbeiten. Gerade wenn es Opfer und Täter unter den Geschwistern gibt, ist es unheimlich schwierig, damit als Familie umzugehen.“

In der Arbeit mit sexuell auffälligen jungen Menschen werden die begangenen Taten und Übergriffe verurteilt. Aber den jungen Menschen muss auch eine Perspektive geboten werden. „Wenn wir einen Zugang zu den jungen Tätern erreichen und mit ihnen arbeiten, dann bekommen wir häufig das Feedback: ´Die verurteilen hier meine Tat, aber sie verurteilen nicht mich´. Dieses Gefühl ermöglicht es ihnen, sich mit ihrer Tat überhaupt erstmal auseinanderzusetzen“, erklärt Bernd Priebe. „Das ist dann der erste Schritt zur Rückfallprophylaxe.“

Neben der Beratung für auffällig gewordene Jugendliche und der pädagogisch-therapeutischen Intervention für Täter bietet die Hamburger Beratungsstelle auch Fachberatung für pädagogische Fachkräfte – von Kindergärten und Schulen hin zu Jugendzentren, Jugendfeuerwehren und Sportvereinen.

19/03/18 Sendung im Deutschlandfunk über die Arbeit des Wendepunkt e.V.

Die Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene hat 10jähriges Jubiläum - hier der link zu der Sendung "Eine Stunde Liebe" mit Moderator Till Opitz:
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/therapie-fuer-sexuell-uebergriffige-jugendliche

 

19/03/18 Stark gegen sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen

Beratungsangebote des Wendepunkt e.V. helfen Betroffenen und Fachkräften

Wo hören Doktorspiele auf, und ab wann wird aus sexuellen Handlungen zwischen Kindern übergriffiges Verhalten? Wie sollen sich Pädagogen verhalten, wenn sie von sexuellen Übergriffen unter Jugendlichen erfahren? Wie können Betroffene geschützt und gestärkt werden, und welche Maßnahmen können übergriffigen Kindern und Jugendlichen helfen, ihr Verhalten zu ändern? Mit diesen Fragen beschäftigen sich zwei neue Flyer der „Aktion Jugendschutz“. Der Wendepunkt verschickt zurzeit die Broschüren an insgesamt knapp 80 Grundschulen und weiterführenden Schulen im Kreis Pinneberg.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen sind keine Seltenheit, so Dirk Jacobsen, Dipl.-Psychologe beim Wendepunkt. „Unter jüngeren Kindern spielt dabei eine Rolle, dass Kinder neugierig sind und zum Teil ihre Impulse noch nicht kontrollieren können“, so Jacobsen. „Die Entdeckung von Sinneswahrnehmungen ist völlig normal, das darf auch nicht tabuisiert werden. Es wird aber zum Beispiel ganz klar eine Grenze überschritten, wenn sexuelle Handlungen durch ein Kind erzwungen werden.“ Auch schon in diesem Alter wird sexualisierte Gewalt eingesetzt, um zu demütigen und zu dominieren. Manche Kinder und Jugendlichen haben auch selbst sexuelle Übergriffe und Missbrauch durch Ältere oder Erwachsene erfahren und geben ihre Erfahrungen jetzt weiter.

Es ist wichtig, mit sexuellen Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen richtig umzugehen, um ihnen eine sexuelle Entwicklung ohne Gewalterfahrung zu ermöglichen. Der Opferschutz hat dabei absoluten Vorrang. Eltern und pädagogische Fachkräfte können durch Wertevermittlung, klare Grenzen und offene Sexualaufklärung einen großen Beitrag leisten. Kinder und Jugendliche müssen darin gestärkt werden, ihre Grenzen klar zu benennen, und sie müssen wissen, wer ihnen hilft, wenn ihre Grenzen verletzt worden sind. Einrichtungen sollten ein klares sexualpädagogisches Konzept haben.

„Ebenso benötigen übergriffige Kinder und jugendliche Täterinnen und Täter gezielte Hilfe, um Rückfälle in weiteres grenzverletzendes Verhalten zu verhindern – das ist elementar für die Prävention von sexuellem Missbrauch“, so Jacobsen.

Der Wendepunkt bietet zu diesem Thema umfangreiche Beratungsangebote, Präventionsprojekte und Fortbildungen an. An einigen Schulen führen die Fachkräfte des Wendepunktes seit einigen Jahren spezielle Projekte zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch durch. Hier gibt es aber keine Regelfinanzierung, weshalb die Schulen auf Zuschüsse durch Städte und Gemeinden angewiesen sind. Da den Wendepunkt mehr Anfragen aus Kindertagesstätten und Schulen erreichen, als mit diesen Zuschüssen bearbeitet werden können, werden zusätzliche Spendenmittel benötigt.

06/03/18 Wendepunkt begrüßt das neue Präventionsgesetz der Nordkirche

Kirchenrechtliche Maßnahmen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt

„Wir unterstützen die Entscheidung der Nordkirche, die Prävention und Intervention gegen sexualisierte Gewalt kirchenrechtlich zu verankern. Zum Schutz gerade von Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, dass sich Institutionen ihrer besonderen Verantwortung bewusst sind und ein klares Schutzkonzept aufstellen“, so Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunkt e.V.

Die Landessynode der Nordkirche hat auf ihrer Tagung das sogenannte Präventionsgesetz beschlossen. Dabei geht es um den Schutz vor sexualisierter Gewalt sowie um die Einrichtung von Verfahren und Strukturen mit dem Ziel, Gefährdungen oder übergriffiges Verhalten schnellstmöglich zu beenden.

Der Wendepunkt e.V. arbeitet seit vielen Jahren mit verschiedenen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Vereinen oder Jugendhilfeeinrichtungen und auch einzelnen Gemeinden zusammen, um gemeinsam Schutzkonzepte zur Prävention sexuellen Missbrauchs zu erarbeiten. „Da geht es um die Frage, welche besonderen Risiken gibt es gerade in pädagogischen Arbeitsfeldern und wie kann man verhindern, dass haupt- oder ehrenamtliche Mitarbeiter ihre Machtposition und Überlegenheit für sexuelle Übergriffe oder anderes Fehlverhalten missbrauchen?“, erklärt Dirk Jacobsen, Leiter der Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch des Wendepunkts. „Wir unterstützen Institutionen dabei, ein klares Interventionskonzept zu entwickeln, das im Falle eines Verdachts auf sexuellen Missbrauch schnell greift und die Opfer schützt. Dabei ist wichtig, dass in solchen Situationen Fachlichkeit und Besonnenheit vorherrschen.“

Die Aufdeckung zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen hat in den vergangenen Jahren viel öffentliches Aufsehen erregt. Im Umgang mit dem Thema gibt es viele Ängste, Unsicherheiten und auch Abwehrreaktionen. „Wir helfen Institutionen dabei, ein ethisches Leitbild zu entwickeln und Verhaltensregeln zu formulieren. Außerdem sollten Kinder und Jugendlichen beteiligt werden an den Prozessen, die sie selbst betreffen, damit vertrauensvoll und angemessen auf ihre Anliegen eingegangen werden kann“, so Jacobsen.

Neben der Prävention und Intervention steht in dem neuen Kirchengesetz auch die Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt im Fokus. Seit einigen Jahren gibt es dazu bereits die UNA – Unabhängige Ansprechstelle für Menschen, die in der Nordkirche sexuelle Übergriffe erlebt oder davon erfahren haben. Sie wurde im Auftrag der Nordkirche vom Wendepunkt ins Leben gerufen. Hierhin können sich Betroffene wenden, die einen Ansprechpartner außerhalb der Institution Kirche suchen.

„Wir würden uns wünschen, dass möglichst viele Institutionen dem Beispiel der Nordkirche folgen und fest verankern, was eigentlich selbstverständlich sein sollte“, betont Ingrid Kohlschmitt. „Ein klar definiertes Schutzkonzept hilft, Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen vorzubeugen und sichere Orte für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Ein solch einheitliches Konzept sollte zum Beispiel auch für die Schulen festgelegt werden.“

Im Fall eines sexuellen Übergriffes oder auch eines Verdachts können sich Betroffene und Institutionen an die kreisweit tätige Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch des Wendepunkts wenden und dort kostenlose Beratung in Anspruch nehmen.
beratungsstelle@wendepunkt-ev.de, 04121/475730

Unabhängige Ansprechstelle für Menschen, die in der Nordkirche sexuelle Übergriffe erfahren haben:
una@wendepunkt-ev.de, 0800-0220099 (kostenfrei)

04/02/18 Blues und Pop für einen guten Zweck

tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/Benefiz_ (1).jpgBenefizkonzert zugunsten des Wendepunkt e.V. war voller Erfolg

Knapp 150 zahlende Gäste waren in die Dittchenbühne gekommen, um die „Farmers Road Blues Band“ und die junge Newcomer-Band „Just in Time“ zu hören – und damit den Wendepunkt zu unterstützen. Das Fazit aller Beteiligten ist eindeutig: es war ein voller Erfolg!

Der Blues-Frühschoppen zugunsten des Wendepunktes hat eine jahrelange Tradition – nun wurde das Benefizkonzert nach fast zweijähriger Pause neu aufgelegt. Zum ersten Mal in dem besonderen Ambiente der Dittchenbühne, die einen passenden Rahmen für die beiden Bands bot. „Farmers Road“ engagiert sich bereits seit vielen Jahren für den Wendepunkt. Zum ersten Mal mit dabei: „Just in Time“, die 2016 zur besten Schülerband in tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/Benefiz_ (2).jpgElmshorn gekürt wurden und neben Cover-versionen bekannter Pop- und Rocksongs auch eigene Werke zum Besten gaben. Die Mischung ging auf – es war für jeden etwas dabei, und beide Bands schafften es, ihr Publikum mitzureißen. Sänger Ole Ruge von „Just in Time“ brachte das Publikum zum Mitsingen, die 76jährige (!) Gast-Sängerin Janice Harrington rockte bei ihrem Auftritt mit „Farmers Road“ die Bühne und bewies, dass Musik jung hält, und zum Abschluss gaben die beiden Bands noch einmal Alles in einer spontanen gemeinsamen Session.

tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/Benefiz_ (3).jpg„Es war eine richtig tolle Stimmung – das machen wir gerne wieder“, so das Fazit von Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunktes. Nach Abzug aller Kosten kamen ca. 2000,00 Euro an Einnahmen zusammen. Zusätzlich überreichte noch Ilse Mettjes, 1. Vorsitzende des AWO Ortsvereins Tornesch, eine Spende über 400,00 Euro. Wir freuen uns sehr, dass auch der AWO-Ortsverein die Arbeit des Wendepunktes unterstützen möchte! Denn einzelne Bereiche unserer Arbeit werden bedauerlicherweise nicht ausreichend durch öffentliche Mittel gefördert. So hat zum Beispiel gerade die Interdisziplinäre Trauma-Ambulanz mit einem erheblichen Defizit zu kämpfen. Die Anmeldezahlen von Kindern und Jugendlichen, die dringend Hilfe bei der Verarbeitung von traumatischen Erfahrungen und Erlebnissen benötigen, sind in 2017 noch einmal gestiegen – und zwar erheblich! Hinzu kommt, dass oft ganze Familien betroffen sind – zum Beispiel durch schwere Krankheiten, Fluchterfahrungen oder andere einschneidende Ereignisse. In allen Fällen ist es unverzichtbar, schnell und kompetent zu intervenieren – doch es fehlt an einer entsprechenden Finanzierungsgrundlage.

Daher hoffen wir neben dem vielen Zuspruch, den wir bei dem Konzert erhalten haben, auf weitere Spenden. Wer helfen möchte, kann hier spenden.

tl_files/Wendepunkt-Dateien/wp_bilder/Benefiz_ (4).jpgWir möchten uns nochmal ausdrücklich bei allen Helfern, Unterstützern und Spendern bedanken, die dieses tolle Konzert möglich gemacht haben! Neben den beiden Bands und den Betreibern der Dittchenbühne war das der Vorstand des Wendepunktes mit tatkräftiger Unterstützung des Elmshorner Handballteams. Außerdem haben wir Geld- und Sachspenden erhalten von: Bäckerei Rohwer, Fahrradbörse, hareico, Max-Peter Hell – Effiziente Energie, Holz Junge, Kölln, Musik-Hofer, Provinzial Elmshorn: J.-H. Fock, E.-P. Junge und S. Kreutz, Weinhaus Grönland.

04/12/17 Traumatisierten helfen – 5. Interdisziplinärer Trauma-Fachtag in Elmshorn

„Schwere Belastungen – Folgen traumatisierender Erfahrungen“
Interventionsansätze in Therapie, Jugendhilfe, Kita und Schule

180 Fachkräfte aus Jugendhilfe, aus Kita und Schule, aus Therapie und Beratung kamen zum diesjährigen Trauma-Fachtag in Elmshorn, um sich über aktuelle Themen und Fragestellungen auszutauschen.

Die Fachreferate:

  • Franka Metzner, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
     „Traumata, Traumafolgestörungen und Ressourcen von begleiteten und unbegleiteten geflüchteten Kindern und Jugendlichen

  • Rainer Pfeiffer, Werkbühne Therapeutisches Puppenspiel Visbek
    Puppenspiel in der Traumapädagogik“

  • Eva-Maria Hoffart, SchulCHEN              
    „Jugendhilfe macht Schule - Herausforderung(en) der Traumapädagogik in der Schule

  • Iris Hannig, Leitung der Opferhilfe Hamburg
    Dissoziation - Entstehung, Erscheinungsformen und Umgang“

  • Isi Kresch und Hoop.Momo, Leipzig
    Outbreak

  • Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    „Kinder psychisch kranker Eltern und die transgenerationale Weitergabe traumatischer Erfahrungen“

Die Texte der einzelnen Referate können hier nachgelesen werden.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Eberhart Weinert, dem ehemaligen Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendpsychotherapie Elmshorn, geleitet. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass die verschiedenen Berufsgruppen und Systeme gut zusammenarbeiten müssen, um den Betroffenen zu helfen. Gesundheitssystem, Schulsystem und Jugendhilfe müssten sich noch stärker vernetzen.

Ein Jahr TiK S-H

Hochbelasteten Kindern mit Traumata frühzeitig helfen

Landesweites Projekt unterstützt seit einem Jahr pädagogische Fachkräfte in der Region

„Ich betreue ein fünfjähriges Mädchen. Das kommt morgens, reißt erstmal alle Spielsachen raus, haut, schreit manchmal ganz laut und zeigt unvorhersehbares Verhalten. Der pädagogische Alltag mit ihr ist eine Herausforderung,“ berichtet Silke Sievers. Sie ist Heilpädagogin und wird von verschiedenen Kindergärten im Raum Elmshorn hinzugezogen, wenn Kinder verhaltensauffällig sind. Sie hat eine neuntägige Schulung im Rahmen des landesweiten TiK-Projektes besucht. Seit einem Jahr unterstützt und berät das Projekt „Traumapädagogikin Kindertagesstätten und Familienzentren“ (TiK) Erzieherinnen und Erzieher im Umgang mit traumatisierten Kindern. Das vom Sozialministerium finanzierte Projekt ist bundesweit einmalig und hat wegweisenden Charakter.

Silke Sievers sagt, dass das Seminar sie sensibilisiert habe und dabei helfe, Dinge auch von einer anderen Seite zu sehen. „Das Kind hätte auch ADHS haben können – das wäre die naheliegende Diagnose gewesen. Wir haben dann geguckt, wie weit wir mit Traumapädagogik kommen – und haben dann festgestellt, wie sehr das hilft. Es hat sich herausgestellt, dass das Mädchen in der Vergangenheit Gewalt- und Verlustsituationen erlebt hat.“

In Schleswig-Holstein werden 106.560 Kinder in Kindertageseinrichtungen betreut. Die pädagogischen Fachkräfte in den Einrichtungen werden immer wieder mit traumatisierten Kindern konfrontiert. Die Bandbreite der Ursachen ist groß: Körperliche oder sexuelle Gewalt, Demütigung, Vernachlässigung oder das Erleben von Krieg und Flucht. Aber auch familiäre Alltagsbelastungen sowie langanhaltende Stresserfahrungen, wie der Verlust eines Elternteils, können Kinder hoch belasten. „Ich habe es ganz oft mit Kindern zu tun, die eine schwierige Lebenssituation haben“, so Sievers. „Heutzutage haben viele Kinder eine Bindungsproblematik. Es gibt einen großen Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich.“

Auf einem Fachtag im Kieler Landtag zu dem Projekt TiK betonte Sozialminister Dr. Heiner Garg: „´TiK-SH entspricht einem sehr drängenden Bedarf: schon lange sind Kindertagesstätten mit dem Thema Trauma konfrontiert.“ Hochbelastete Kinder bräuchten einen sicheren Ort und stabile, soziale Beziehungen, so der Minister. „Sie brauchen Betreuung, die geleitet ist von fachlichem Verstehen und einem emotional angemessenen Umgang mit den Kindern.“

Das Sozialministerium hat eine Dokumentation über das erste Jahr des TiK-Projektes in Auftrag gegeben. Die Bilanz ist sehr positiv – bislang nutzten landesweit über 1700 Fachkräfte die verschiedenen Angebote, die allesamt kostenlos sind. Es gibt unterschiedliche Fortbildungen sowie Beratungen und Supervision – diese drei Säulen können auch jeweils als Inhouse-Angebot genutzt werden. Die Erzieherinnen und Erzieher bekommen ein traumapädagogisches Verständnis vermittelt und können sich bei ganz konkreten Fällen beraten lassen. Interviews mit verschiedenen Fachkräften wie Silke Sievers, die in der Dokumentation enthalten sind, dokumentieren die Herausforderungen des pädagogischen Alltags und den hohen Nutzen des traumapädagogischen Wissens für die Arbeit mit belasteten und verhaltensauffälligen Kindern. „Das Projekt TiK verändert Haltungen, schafft Kompetenzen und gibt Kindern Heilungschancen,“ fasst Holger Platte, Dipl. Sozialpädagoge beim Wendepunkt, zusammen.

Der Wendepunkt e.V. ist einer von drei Trägern, die im Auftrag des Sozialministeriums Fortbildungen, Beratungen und Supervision an zahlreichen Standorten übernehmen. Der Wendepunkt ist für die Kreise Pinneberg, Steinburg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg und die Städte Neumünster und Norderstedt verantwortlich und hat im ersten Jahr über 770 Fachkräfte geschult und beraten.

„Die verantwortungsvolle Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher kann gesellschaftlich nicht hoch genug geschätzt werden“, so Franz Schneider, Leiter des Teams TiK-SH/Region Südbeim Wendepunkt. „Deshalb freuen wir uns, dass wir durch dieses Projekt die pädagogischen Fachkräfte in unserer Region unterstützen und fördern können, um gemeinsam ein gutes Erziehungsmilieu zu schaffen.“

Das fünfjährige Mädchen hat sich inzwischen stabilisiert und hat gelernt, mit anderen Kindern zu spielen. Silke Sievers möchte gerne auch andere Erzieher und Eltern für das Thema Traumapädagogik sensibilisieren: „Verletzungen an der Seele kann man nicht sehen. Kinder brauchen einen Platz, wo sie sich fallen lassen können. Wenn man davon ausgeht, dass jedes Verhalten eines Kindes einen guten Grund hat, dann ist das eine positive Grundhaltung, die das Menschenbild prägt.“

22/12/16 „Es war wunderschön und hat Spass gemacht“

Kunsttherapie für Flüchtlinge der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule

Sana, Morteza und Laith sind sich einig - die Kunsttherapie hat allen viel Spass gemacht, versichern sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Und halten dabei stolz ihre „Schatzkisten“ in der Hand. Da haben sie alle Schätze drin, die sich im Lauf des besonderen Projekts angesammelt haben - ein Selbstporträt, eine Collage ihrer Hobbys und Interessen und ein selbstgeschnitzter Speckstein. „Es war wunderschön“, sagt der zwölfjährige Laith aus Syrien. Der 15jährige Morteza aus Afghanistan ist blind - auf seine Schatzkiste hat er deshalb mit kleinen Tonkugeln seinen Namen in Braille-Schrift aufgeklebt. Und den Buchstaben „M“ für Mögen, erzählt er, und lacht dabei verschmitzt.

Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen haben in ihren jungen Jahren bereits stark prägende Erlebnisse erfahren - in ihren Heimatländern und während der Flucht. Diese zum Teil hoch belastenden Erfahrungen gehen meist nicht spurlos an ihnen vorbei und führen häufig dazu, dass die Kinder zu schnell erwachsen werden mussten. Zeit für altersangemessene, kindliche Entwicklungen bleibt oft kaum.
Die Lehrkräfte der „DaZ“-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) machen die Erfahrung, dass viele ihrer Schüler belastet sind und deshalb Schwierigkeiten haben, sich auf das Lernen zu konzentrieren.

Maren Schramm, Leiterin der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule, hat sich auf der Suche nach einem unterstützenden Angebot für die DaZ-Klasse an den Wendepunkt gewandt.
In Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Elmshorn hat der Wendepunkt ein kunsttherapeutisches/ -pädagogisches Angebot erarbeitet, das die Kinder und Jugendlichen stärken, ihnen Erfolgserlebnisse vermitteln soll und sie dabei unterstützt, die eigene Identität wiederzufinden.

„Diese Schüler haben zum Teil ganz schlimme Erfahrungen machen müssen, sie haben ganz schreckliche Dinge erlebt“, berichtet Maren Schramm. „Da sind wir als Lehrkräfte überfordert. Deshalb wollen wir eine Brücke schlagen zum Wendepunkt, damit die Kinder wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie professionelle Hilfe brauchen.“
Hakan Akgün, DaZ-Koordinator des Schulamtes Kreis Pinneberg, betont: „Wir sind in einer glücklichen Lage, dass der Wendepunkt in Elmshorn ist. Die Integration dieser Schülerinnen und Schüler ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe - und dieses Angebot ist da ein Vorzeigeprojekt.“ Maren Schramm würde sich wünschen, dass das Projekt fortgesetzt werden kann: „Es hat den Kindern so gut getan, sie strahlen richtig von innen heraus.“

Das Projekt ist Ende Oktober gestartet und lief über zwei Monate. Begleitet von den Kunsttherapeutinnen Sophie Firle (Wendepunkt) und Tanja Lilge (KJPP) haben die Kinder und Jugendlichen in insgesamt 7 Doppelstunden einmal wöchentlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten zum Thema „Jugend“ gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler haben sich dabei auf kreative Weise mit ihrer eigenen Identität und ihren Ressourcen auseinandergesetzt. In dieser DaZ-Klasse sind insgesamt 17 Schüler im Alter von 12 bis 16 Jahren (5. - 9. Klasse), unter ihnen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Durch die gemeinsame kreative Arbeit lernen die Schüler, sich jenseits der Sprachgrenzen auszudrücken, und werden in der Wiederfindung der eigenen Identität unterstützt.
Kreative Erfahrungen sind ein wichtiger Aspekt in der gesunden Entwicklung im Kindes- und Jugendalter. Gerade problembelastete Kinder und Jugendliche profitieren von der besonderen Weise, eigene Potentiale und Fähigkeiten herauszustellen. Im gestalterischen Prozess erleben sie sich als handelnd und produktiv und machen dadurch ressourcenstärkende und stabilisierende Erfahrungen.
Im kunstpädagogischen Setting gibt es kein richtig oder falsch, kein gut und kein schlecht. Ziel ist nicht das Erschaffenen eines fertigen Produktes, sondern der Prozess der gemeinsamen Arbeit in einem geschützten Raum.

Die Anne-Frank-Gesamtschule hat gerade den ersten Preis für Integration von Flüchtlingskindern des Quickborner Unternehmens Megaplan erhalten - das Kunstprojekt wurde dabei unter anderen exemplarisch aufgeführt.

Das Projekt wurde von Seiten des Wendepunkt ermöglicht durch Spendenmittel des NDR über Hand in Hand für Norddeutschland. Um die Arbeit fortzusetzen und an anderen Schulen anbieten zu können, werden Spenden benötigt.

VR Bank Pinneberg-Elmshorn, IBAN DE31 2219 1405 0010 1010 70

25/11/16 Begegnungen ohne Worte

Interkulturelle Woche Elmshorn 2016

Die Erkenntnis: man kann auch ohne eine gemeinsame Sprache miteinander spielen, kreativ sein und in Kontakt kommen!

Im Rahmen der Interkulturellen Woche Elmshorn kam es zu ganz besonderen Begegnungen in den Räumen des Wendepunkt. Schülerinnen und Schüler, die „Deutsch als Zweitsprache“-Klassen der Berufsbildenden Schule besuchen, waren eingeladen, sich gegenseitig und uns näher kennenzulernen. An zwei Tagen kamen jeweils 30 bis 40 Schüler aus den verschiedensten Herkunftsländern zusammen. In gemütlicher Runde bei Kaffee und Tee wurde gespielt, gebastelt und gemalt. Und dabei haben sowohl Schüler als auch Lehrer unser Angebot und speziell die Trauma-Ambulanz kennengelernt.

Denn einige der Flüchtlinge haben oft unvorstellbare Erfahrungen in ihren Herkunftsländern oder auf der Flucht gemacht und müssen diese jetzt verarbeiten. Sie leiden unter Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen.

Die speziell ausgebildeten Fachkräfte der Trauma-Ambulanz können ihnen helfen. Die Behandlung psychische Probleme und Traumata ist nach Ansicht vieler Experten elementar, um den Menschen ein neues Leben und eine Eingliederung in unsere Gesellschaft zu ermöglichen. Die Lehrkräfte der „DAZ“-Klassen berichten, dass sie viele Schülerinnen und Schüler haben, die einfach den Kopf nicht freibekommen zum Lernen. Die Berufsschulen sollten mit diesem Problem nicht alleine gelassen werden.

Die Schüler haben Informationsmaterial in den verschiedenen Sprachen bekommen, und zwei Dolmetscher für Arabisch und Farsi haben bei den Gesprächen geholfen. Es wurden bereits einige Termine für Erstgespräche in der Trauma-Ambulanz vereinbart.

Darüber hinaus konnten viele praktische Tipps ausgetauscht werden. Und auch wir haben viel über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten und die Verständigung ohne Sprache gelernt. Wir hoffen, dass wir dieses Angebot bald wiederholen können!

09/11/16 4. Interdisziplinärer Traumafachtag

Unter dem Thema „ZUGANGSWEGE ERÖFFNEN UND ERHALTEN“ - Neue Entwicklungen in der Trauma-Arbeit – fand am 09.11.2016 der 4. interdisziplinäre Traumafachtag in Elmshorn statt. 

Die Vorträge der verschiedenen Referenten finden Sie im Downloadbereich .

08/11/16 Trauma-Ambulanz Westholstein bekommt Förderpreis der Kroschke Kinderstiftung verliehen

Am 08. November 2016 fand die Verleihung des Kroschke Förderpreises „Beispielhafte Hilfe für Kinder“ in Braunschweig statt. Ausgezeichnet wurde unter anderem der Wendepunkt e.V. für das Projekt Trauma-Ambulanz Westholstein.

Als Anerkennung für ihre Arbeit wurde für die Trauma-Ambulanz ein Kurzfilm produziert, der verschiedene Ursachen für Traumata aufzeigt. Dieser Film kann zum Beispiel im Rahmen von Fortbildungen an Schulen eingesetzt werden, um auf das sensible Thema aufmerksam zu machen.

Ingrid Kohlschmitt:
"Wir freuen uns riesig, dass wir seit heute Preisträger der Kroschke-Kinderstiftung sind. Wir wurden ausgezeichnet wegen unseres „außerordentlichen Engagements“ und wegen unserer „beispielhaften Zusammenarbeit“ insbesondere mit der örtlichen Kinder- und Jugendpsychiatrie und dem Jugendamt. Wir sind stolz auf diese Auszeichnung und die mit ihr verbundene Anerkennung unserer Arbeit in unserer Interdisziplinären Trauma-Ambulanz. Als Preis wurde ein etwa 5-minütiger Film gedreht, der über unsere Arbeit erzählt."

Film über die Trauma-Ambulanz Westholstein

Unterstützen Sie die TRAUMA-AMBULANZ!

Aus vielfach gegebenem Anlass möchten wir Ihnen hier ein wichtiges und aktuelles Spendenprojekt ans Herz legen: Viele Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, brauchen professionelle Hilfe. Sie haben furchtbare, traumatische Dinge erlebt und sollten eine Chance bekommen, eventuelle psychische Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Um Flüchtlingen bei der Bearbeitung psychischer Traumatisierung zu unterstützen, benötigen wir Ihre Spende auf www.betterplace.org!

Jede Spende kommt 1:1 an, ist transparent, absolut nachvollziehbar - und vor allem sehr sinnvoll und hilfreich. Herzlichen Dank!